Leichlingen: Stadt will um Bahnhof kämpfen
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 16.04.2011Leichlingen (RPO). Auch wenn die Deutsche Bahn beim Umbau des Leichlinger Bahnhofs keinen einzigen Wunsch der Stadt berücksichtigt hat, soll weiterhin für einen Zugang auf der Westseite gestritten werden. Doch das wird schwierig.
"Arrogant, kaltschnäuzig, von oben herab" – es waren deutliche Worte, die Bürgermeister Ernst Müller am Donnerstagabend im Leichlinger Stadtrat für das Verhalten der Deutschen Bahn fand. Die baut jetzt den Bahnhof um, ohne dabei auch nur auf einen einzigen Wunsch der Stadt einzugehen (wir berichteten). Keine Toilette, kein Bahnsteigdach, kein Zugang zum Mittelbahnsteig von der Westseite her (also der Raiffeisenmarkt-Seite), alles in allem nicht die geringste Kompromissbereitschaft – Gespräche "auf Augenhöhe" sehen anders aus, urteilte Müller.
Dennoch will der Verwaltungschef in den kommenden Wochen verstärkt noch einmal das Gespräch mit den Bahn-Oberen suchen. Denn dank eines weiteren "Nackenschlags" seitens des Konzerns muss die Stadt nun auch noch fürchten, dass das entscheidende Grundstück für den (angesichts 13 Stunden geschlossener Schranken pro Tag so dringend benötigten) Westzugang meistbietend an einen privaten Interessenten verkauft wird. In einem Immobilien-Portal hatte die Stadt eine Anzeige entdeckt, wonach die Bahn das mehr als 5300 Quadratmeter große, langgezogene Areal zwischen dem Erzeugermarkt und Adrion im Versteigerungsverfahren anbietet: "Ehemalige Ladestraße am Bahnhof Leichlingen zu verkaufen", ist dort zu lesen. "Ich hätte erwartet, dass sie sich vorher mal an uns wenden", sagte Müller. Fehlanzeige.
Nächste Sitzung
Die nächste Sitzung des für das Thema Bahnhof zuständigen Verkehrs- und Betriebsausschusses findet am Donnerstag, 19. Mai, um 17.30 Uhr im Rathaus statt.
Eindeutiges Votum gefragt
Nun soll verhandelt werden, damit die Bahn ihr Verfahren "wer am meisten bietet, gewinnt" aufgibt und die Stadt das Gelände erwerben kann. Doch selbst wenn das gelingt, bleiben noch viele Fragen offen. Beispielsweise jene, wer einen zweiten Bahnsteigzugang denn überhaupt bezahlt? "Die Bahn hat immer klar gemacht, dass sie sich an den Kosten nur dann beteiligt, wenn wir uns im Gegenzug bereiterklären, den Bahnübergang zu schließen", führte der Bürgermeister im Stadtrat aus.
"Dann lassen Sie uns das jetzt so beschließen und mit diesem Votum zur Bahn gehen", beantragte Volker Jung (Bürgerliste Leichlingen-Witzhelden). "Kommt nicht in Frage"; hielt die SPD dagegen. Eine dauerhafte Schließung der Schranken würde "einen ganzen Stadtteil von der Innenstadt abschneiden", argumentierte Fraktionschef Hans Gonska unter dem Beifall seiner Parteikollegen: "Das können Sie doch nicht einfach mal so Hau-Schnau beschließen."
Ein Beschluss machte auch für Baudezernentin Barbara Hammerschmidt nur dann Sinn, "wenn es eine Rahmenplanung für den gesamten Bereich gibt". Aber auch da habe weder der zuständige Fachausschuss noch die aus der Politik gebildete Projektgruppe Bahnhof ein klares Votum gefasst.
Darüber soll nun in der kommenden Sitzung des Verkehrs- und Betriebsausschusses beraten werden. So lange will auch Volker Jung mit seinem Schließungs-Vorstoß noch warten. Die Stadt legte für den Fall, dass der Bahnübergang tatsächlich wegfällt, jetzt vier Planungs-Varianten vor: von einer Verbindung für Radfahrer und Fußgänger (2,1 Millionen Euro) bis hin zum Bau einer Überführung auch für Pkw (10 Millionen). "Schranken zu" – das sollte laut Verwaltung aber auf keinen Fall ohne eine Alternative für Autos beschlossen werden. Da bleibt noch jede Menge Beratungsbedarf.
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