Leichlingen: Todesangst in der S-Bahn
VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 - 09:04Leichlingen (RPO). Diese Fahrt in der Linie S 6 werden zwei Mitarbeiter der Remigius-Pfarre ihr Leben lang nicht vergessen. Sie wurden überfallen und ausgeraubt. "Ich hatte Todesangst", erzählte eines der Opfer jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion.
Goldener Schriftzug
Der Täter hatte vor dem Leverkusener Pärchen auch schon zwei Frauen im Zug beraubt. Laut Polizei ist er circa 1,70 Meter groß und 16 bis 18 Jahre alt, die Leverkusener schätzten ihn etwas älter und etwas größer. Seine Bomberjacke trug den goldenen Schriftzug PICALDI. Hinweise: 0221 229-0.
Etwa drei Minuten braucht die S-Bahn-Linie 6 für das Stück vom Bahnhof Deutz über die Hohenzollernbrücke bis zum Kölner Hauptbahnhof. Drei Minuten, die zur Ewigkeit werden können. Ein Pärchen aus Leverkusen (beide 22; Namen sind der Redaktion bekannt) hat es in der Nacht zum vergangenen Samstag erlebt. Auge in Auge mit einem zunehmend nervöser und aggressiver werdenden Räuber, der eine Schusswaffe im Anschlag hielt und "Ich erschieße Euch, ich erschieße Euch" drohte.
Die dramatische Zuspitzung der Situation hatte sich zunächst nicht angekündigt. Die beiden Leverkusener waren kurz nach Mitternacht in Küppersteg in die Bahn gestiegen. In Mülheim wurden sie von einem südländisch aussehenden Typen mit schwarzer Bomberjacke angesprochen. "Er hat uns gefragt, wieviele Stationen es noch bis Köln-Hauptbahnhof sind", erzählte der 22-jährige Leverkusener gestern auf Anfrage unserer Zeitung. "Anfangs kam er uns fast witzig vor, weil er so auf cool machte. Wir waren uns nicht sicher, ob er angetrunken war." Bei dem späteren Täter habe es sich insgesamt aber um eine Person gehandelt "wie man sie schon 100 Mal in S-Bahnen gesehen hat", berichtete das Opfer weiter.
Stutzig sei er erst geworden, als seine Freundin ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass der schwarze Gegenstand, der bei dem Unbekannten zwischen Hosenbund und Boxershorts hervor gelugt habe, kein Handy war, wie er zunächst vermutet hatte, sagte der 22-Jährige. "Meine Freundin hat gesehen, dass das eine Waffe war."
Im Bahnhof Deutz habe der Mann mit der Bomberjacke dann kurzzeitig den Zug verlassen. Kurz darauf drang er in den ansonsten leeren Waggon mit dem Leverkusener Pärchen vor. "Er verlangte, dass wir alles hergeben sollten. Ich hatte nur 90 Cent und mein Handy dabei, das hat den nicht zufrieden gestellt. Es war eine grausame Situation, ich war wie gelähmt und hatte Todesangst. Es war ein Gefühl des völligen Ausgeliefert-Seins, eine Demütigung, wie man sie sonst kaum erleben kann", berichtete der Leverkusener, der es als besonders schlimm empfand, seine Partnerin bedroht zu sehen und sich nicht wehren zu können. Erst nachdem diese dem Räuber 50 Euro und ihr Handy gegeben habe, sei der Unbekannte geflohen – nicht ohne die Warnung: "Wenn Ihr die Polizei ruft, knall' ich Euch ab." Seine Brüder und Cousins seien im Übrigen auch im Zug.
Ein großes Lob verteilte der Überfallene an die Polizei im Kölner Hauptbahnhof, die die geschockten Opfer sehr gut betreut habe. Auch ihre Familien hätten ihnen den Rücken gestärkt, sagte der Leverkusener. Allerdings habe er in der Nacht nach dem Überfall kaum geschlafen. An den folgenden Tagen seien er und seine Freundin auch körperlich "völlig groggy" gewesen. Ob sich der Überfall dauerhaft psychisch auswirken wird, könne er noch abschätzen. S-Bahn-Fahrten in der Dunkelheit wolle er zumindest in dieser Woche vermeiden, sagte der 22-Jährige.
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