Leichlingen: Turbulenter Auftakt im Rat
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009Leichlingen (RPO). CDU und SPD samt jeweiligen Kooperationspartnern gingen bei der konstituierenden Ratssitzung gestern nach kurzfristiger Annäherung auf Konfrontationskurs. Ischerland und Horsthemke stellvertretende Bürgermeister.
Turbulent wie selten verlief im Stadtrat gestern Abend die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister der Blütenstadt Leichlingen. Der gemeinsame Vorschlag der Fraktionen von CDU und SPD, die sich am Vorabend überraschend noch geeinigt hatten, war schnell vom Tisch. Rolf Ischerland (CDU) sollte 1. Stellvertreter, Erika Horsthemke (SPD) 2. Stellvertreterin werden. Für diesen einheitlichen Vorschlag war laut Vorschrift eine geheime Abstimmung ohne Gegenstimmen nötig. Da fünf Mitglieder des Rates allerdings mit Nein stimmten, gab es keinen einheitlichen Vorschlag.
Danach kam es zu der befürchteten Abstimmung mit Einfluss des rechtspopulistischen Ratsvertreters. Um den Wahlvorschriften zu genügen, legten CDU und Partner sowie SPD und Partner zwei konkurrierende Wahlvorschläge vor. CDU-Mann Ischerland bekam 17 Stimmen und ist damit erster stellvertretender Bürgermeister, SPD-Kandidatin Horsthemke erhielt 16 Stimmen. Das Ergebnis entsprach zwar dem ersten und gemeinsamen Vorschlag, als ziemlich sicher gilt jedoch, dass Ischerland mit der Stimme des Pro-NRW-Vertreters gewählt wurde. Der Rechtspopulist beklatschte jedenfalls die Entscheidung für den Christdemokraten, der die Wahl annahm. Horsthemke ist nun zweite Stellvertreterin.
Im Durchschnitt 51 Jahre
Das Durchschnittsalter im Leichlinger Rat liegt bei 51 Jahren. Die jüngsten Mitglieder und die älteste Ratsherrin gehören der SPD an. Mit 70 Jahren startete Erika Horsthemke als Alterspräsidentin die erste Sitzung. Die jüngsten Ratsvertreter sind 23 Jahre: Dominik Laufs und Tobias Rottwinkel.
"Um uns nicht in diese Lage zu bringen, dass die Rechtspopulisten das Zünglein an der Wage spielen, habe ich gerne verzichtet", hatte sie vor dem gescheiterten einheitlichen Vorschlag noch erklärt. Genutzt hat es angesichts der Entwicklung jedoch nicht. Zudem hatte die Alterspräsidentin des Rates angekündigt, keine Wahl annehmen zu wollen, die sie nur mit Hilfe von Rechtsaußen gewonnen habe. In diese Verlegenheit kam sie als zweite Siegerin der Einzelwahl jedoch gar nicht erst. Dafür ist sicher, dass der Vertreter der Linken, die ebenfalls als extrem bewertet werden, für die SPD-Kandidatin gestimmt hat.
Schon die ersten Entscheidungen des Abends machten deutlich, dass die beiden Lager deutlich auf Konfrontationskurs liegen. Sowohl Vertreter von Rot-Grün (mit Bürgermeister Müller 15 Stimmen) als auch der Zählliste von CDU, FDP, BWL und UWG (16 Stimmen) äußerten die Vermutung, dass die konstituierende Sitzung ein Vorgeschmack auf die künftige Entscheidungskultur sein werde. Rechtsaußen könnte dabei noch häufiger den Ausschlag geben.
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