Leichlingen: Vergangenheit lebendig gemacht
VON CLAUS-PETER GRIES - zuletzt aktualisiert: 18.04.2011Leichlingen (RPO). Die Jahresausstellung des Bergischen Geschichtsvereins wurde am Samstag im Bürgerhaus zu einer spannenden Reise in die Vergangenheit. Eines der Highlights: Familienbücher aus der Zeit von 1656 bis 1809.
Manfred Bennerts Familie stammt aus Leichlingen. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts kann er seine Wurzeln verfolgen. Seine Ahnentafel zeigt zwölf Generationen mit 285 Personen, sich selbst eingeschlossen. "Vielleicht gibt es noch mehr, aber die sind dann nicht mehr zu finden", erklärt er.
Seine Ahnen hat er gefunden, weil er beim Bergischen Geschichtsverein mitarbeitet. Der hat nämlich jetzt Familienbücher aus der Zeit von 1656 bis 1809 zusammengetragen und komplett auf einer CD gesammelt. Auf Papier wäre das aufwändig gewesen, denn es handelt sich um 6000 Seiten. Diese CD wurde am Samstag bei der Jahresausstellung im Bürgerhaus am Hammer vorgestellt.
Bilder rekonstruiert
Gezeigt wurde im Bürgerhaus auch, wie man aus beschädigten alten Fotos gute Bilder rekonstruieren kann, auf denen dann die Personen so zu sehen sind, wie sie wohl vor 100 Jahren ausgesehen haben könnten. Die moderne Technik, die die Damen und Herren im Seniorenalter perfekt beherrschen, macht es möglich.
Die alten Blätter zeigen die Entwicklungen einer Vielzahl evangelischer Familien aus Leichlingen. Keine leichte Arbeit war es, das alles zu erfassen und fein säuberlich in den Computer einzugeben, denn die Schriftstücke aus den diversen Büchern waren alle in mehr oder weniger säuberlicher altdeutscher Schreibschrift verfasst.
Ahnenreihen für Familien
Längst nicht jeder, auch beim Geschichtsverein, versteht sich noch auf diese altertümliche Schrift. Herausgekommen ist eine wahre Fleißarbeit. Familienforscher wie Manfred Bennert, der übrigens herausfand, dass seine Familie nichts mit dem gleichnamigen, zu Leichlingen gehörenden Ort zu tun hat, können in diesen alten Daten forschen, um Ahnenreihen für Familien zu ermitteln. Das ist gar nicht so leicht, denn manche Pfarrer notierten nur "Kind beerdigt, Frau beerdigt", Namen fehlen. Das hilft wenig weiter und lässt nur zu oft eine Spur im Nichts versiegen.
Ganz andere Dinge interessieren Eberhard Kratz aus Leichlingen. Der frühere Architekt hat sich ganz den Gebäuden des alten Leichlingen verschrieben. Er nahm sich das Ur-Kataster von 1829 vor, und ermittelte, wie Leichlingen in jeder Zeit ausgesehen haben muss. Doch nicht nur das, er schaute sich die Häuser an, die zum Teil heute noch stehen, aber oft genug ganz anders aussehen: "Manches, das heute verschiefert ist, war damals Fachwerk", berichtet er.
Entstanden ist ein handgemachtes Modell des Leichlingen von 1829. Die Häuschen sind aus Pappe mit Styropor-Dächern, aber so angefertigt, wie sie einmal ausgesehen haben müssen. "Als Architekt erkennt man auch an Schieferwänden, wie es früher einmal war", so Kratz.
Das idyllische kleine Dörfchen an der Wupper, das Kratz in endloser Kleinstarbeit nachbaute und jetzt in einer Vitrine zeigt, versprüht auch als Modell seinen besonderen Charme. Wie lange er für diese Arbeit gebraucht hat, weiß Kratz gar nicht: "Ich habe irgendwann aufgehört mir die Stunden aufzuschreiben".
Dokumentiert wurde die Arbeit von Eberhard Kratz vom 72-jährigen Max Heribert Gierlichs aus Langenfeld. Er fertigte einen 18-minütigen Videofilm über die Arbeit am Modell an. Gierlichs, ein absoluter Videokönner, der in Langenfeld sogar Videokurse bei der Volkshochschule anbietet, lieferte eine geradezu professionelle Dokumentation, die alle Techniken und zeitgemäßen Videotricks nutzt, um die Arbeit von Eberhard Kratz optimal zu präsentieren.
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