Bayer Leverkusen: Ballack – Fehlgriff für die AG
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012Bayer Leverkusen (RP). Auch für den Bayer-Konzern als Finanzier ist das Projekt Michael Ballack nicht aufgegangen. Umso verstörender dürfte daher die Investition von zwölf Millionen Euro für die von Kürzungen betroffenen Werksvereine anmuten.
Das von Wolfgang Holzhäuser in der Vorwoche öffentlich formulierte Eingeständnis vom Scheitern des Ballack-Transfers dürfte auch von Menschen mit Interesse zur Kenntnis genommen worden sein, die Mitglied im Luftsportclub Bayer Leverkusen sind. Oder im Reiterverein Bayer. Oder bei Bayers Sportanglern. Oder beim TSV Bayer 04. Oder bei einem anderen Werksverein, der sich in den vergangenen Jahren mit gekürzten Fördergeldern und umzusetzenden Sparvorgaben des Konzerns konfrontiert sah.
Rolle als Repräsentant: kein Thema
Und da es in der Natur des Menschen liegt, zu vergleichen, wird sich so manches dieser Mitglieder ausgemalt haben, was die Gesamtheit der Leverkusener Werksvereine im Zeitraum von Ballacks Vertragsdauer (zwei Jahre) mit dem Gehalt von zwölf Millionen Euro alles hätte anfangen können. Und er könnte hämisch fragen, wie sehr sich doch die Position der Bayer AG am Weltmarkt mit zwölf Millionen Euro hätte verbessern lassen. Denn die letzte angekündigte – und ungleich weniger als zwölf Millionen Euro erzielende – Kürzungsmaßnahme bei acht Leverkusener Werksvereinen im November wurde vom Konzern damit begründet, es handele sich um Gelder, "mit deren Hilfe weitere Mittel für Forschung und Marketing freigesetzt werden sollen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu stärken".
Als sich der Bayer-Konzern im Sommer 2010 entschloss, die Finanzierung der Ballack-Rückkehr zu übernehmen, spielte neben der emotionalen Komponente bei den Beteiligten in erster Linie die wirtschaftliche Überlegung eine Rolle. Ballack schien für die internationale Medienpräsenz und Werbeaktivität des Konzerns dienlich zu sein. Doch Ende Januar 2012 hält sich die Medienpräsenz der Kategorie "positiv" in äußerst überschaubarem Rahmen, und eine erste Kampagne mit Ballacks Konterfei für "Bayer Vital" ist zwar abgedreht, aber noch immer nicht angelaufen. Stattdessen flimmert der 35-Jährige nur als Gesicht eines Internet-Reiseveranstalters über Deutschlands TV-Bildschirme.
Zudem bekannte Ballack im Trainingslager in Portugal zuletzt, eine Rolle als Repräsentant für die Bayer AG im Anschluss an seine zweite Zeit bei der Werkself sei bei den Gesprächen mit Rudi Völler kein Thema gewesen. "Das war eine Spekulation, als ich vor anderthalb Jahren hier unterschrieben habe", sagte er.
Bayer AG zieht nur indirekt Bilanz
In der Konzernzentrale wies man auf RP-Anfrage nun darauf hin, man sage zum Thema Michael Ballack momentan gar nichts. Also keine vorgezogene Bilanz aus Sicht der AG analog zu der von Bayer 04 vom vergangenen Freitag? Zumindest indirekt schon. Denn als Ballack im Juli 2010 verpflichtet wurde, hieß der Bayer-Vorsitzende Werner Wenning. Der ging im Oktober 2010 in Ruhestand und wurde zwei Monate später Chef des Gesellschafterausschusses der Bayer 04 Fußball GmbH. Und Bayer 04 legte in den vergangenen Tagen Wert darauf, dass Holzhäusers Bilanz mit dem Aufsichtsrat abgesprochen gewesen sei. Wenning äußere sich jedoch in seiner Funktion als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses generell nicht, teilte Bayer 04 mit.
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