Bayer Leverkusen: Ballack trainiert mit der Startelf
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2011 - 10:16Es hatte ein bisschen was vom aufsteigenden weißen Rauch, der im Vatikan von erfolgreich vollzogener Papstwahl kündet, als Jupp Heynckes auf dem Leverkusener Trainingsgelände eines von elf neongelben Leibchen Michael Ballack überreichte. In der Fußballszene gilt dies als untrügliches Zeichen dafür, dass der 34-Jährige am Freitag (20.30 Uhr im Live-Ticker) gegen Hannover den von ihm zuletzt verbal so offensiv ersehnten Sprung in die Startelf von Bayer 04 geschafft hat.
Heynckes findet zwar mittlerweile Gefallen an seiner allwöchentlichen Rolle des vielsagenden Orakels und antwortete so gestern auch auf die Frage, ob er denn schon wisse, ob Ballack von Beginn an spiele: "Ich sollte es schon wissen, oder?" Doch der Leverkusener Trainer bescheinigte seinem 34-jährigen Mittelfeldstar in der Folge eine "wesentlich bessere physische Verfassung als nach seiner ersten Verletzung im Sommer".
Was Ballack am Sonntag in seinem knapp halbstündigen Einsatz in Mönchengladbach auf dem Rasen anbot, hatte Heynckes zudem offenbar gut gefallen ("Er hat sofort den Kontakt zur Mannschaft gefunden"). Und weil entweder Daniel Schwaab (Formtief) oder Sidney Sam (Nachwirkungen einer Kopfverletzung) eine Pause nötig haben, ist eine Planstelle für den "Capitano" frei.
Heynckes legte großen Wert auf die Feststellung, dass es keinen Konflikt mit Michael Ballack gibt. Mit Nachsicht bewertete der Trainer dessen forsch formulierte Ansprüche. "So etwas kreide ich keinem Spieler an", sagt Heynckes, "ich wäre als Spieler genauso ungeduldig gewesen wie Michael."
Dennoch war es dem 65-Jährigen spürbar wichtig, zu betonen, dass er nicht etwa dem Drängen seines prominentesten Schützlings nachgegeben hat. "Ich entscheide das aus meiner Erfahrung heraus schon richtig", sagte er. Die Betonung lag dabei hörbar auf dem "Ich".
Eine zweite maßgebliche Entscheidung im Hinblick auf die Partie gegen die Niedersachsen betraf Patrick Helmes: Heynckes strich den Stürmer nämlich aus dem Aufgebot. "Patrick war in dieser Woche gedanklich mit den Wechselabsichten beschäftigt", sagte Heynckes. Das habe man auch im Training gemerkt. Helmes habe ihm gegenüber konkret geäußert, dass er sich verändern wolle. Wolfsburg galt einmal als wahrscheinlichste Variante. Aber die Wölfe verpflichteten nun den Kongolesen Dieumerci Mbokani vom AS Monaco und sind und sich zudem mit Kaiserslauterns Srdjan Lakic über einen Transfer im Sommer einig.
Was ist mit Helmes?
Bleibt also die Frage, wohin sich Helmes dann verändern kann. Nach Hoffenheim? Oder bleibt er am Ende gar? "Die Hoffnung ist ja da, dass er wieder zur Normalität übergehen kann", sagt Heynckes. Nach dem 31. Januar. Wenn die Wechselfrist endet.
"Da ist etwas entstanden, was man sich vor einem Jahr nicht hätte vorstellen können." Auch das sagte Heynckes gestern. Er meinte Hannovers Höhenflug. Es passte aber auch auf Ballack und Helmes.
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