Bayer Leverkusen: Bayer unterliegt Spitzenreiter Mainz
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.10.2010 - 20:10Die Bundesliga präsentierte sich am Sonntagabend in der Leverkusener BayArena auf den beiden Trainerbänken als generationenübergreifende Veranstaltung: Als der Coach der Gäste von Mainz 05, Thomas Tuchel, im August 1973 im schwäbischen Krumbach das Licht der Welt erblickte, war sein Gegenüber auf Bayer-Seite, Jupp Heynckes, stolze 28 Jahre alt und bereits Deutscher Meister und Pokalsieger. Bei Abpfiff hatte schließlich die Jugend die Oberhand gewonnen: Mainz siegte 1:0 (0:0) und eroberte die Tabellenführung nach nur einem Spieltag von Borussia Dortmund zurück.
Bei den Mainzern blieb der künftige Leverkusener André Schürrle, dem sein Noch-Arbeitgeber in der vergangenen Woche ein Interview-Verbot auferlegt hatte, zunächst auf der Bank. Die Hausherren mussten derweil auf Abwehrchef Sami Hyypiä verzichten, dessen Verletzung aus dem Abschlusstraining des Europa-League-Spiels in Saloniki sich am Samstag als der befürchtete Außenbandriss herausgestellt hatte.
Bayer begann das Spitzenspiel druckvoll und ließ den in dieser Saison so gefährlichen Kombinationsfußball der Tuchel-Elf erst gar nicht zu. Sidney Sam hatte im Anschluss an eine Ecke nach 15 Minuten die erste gute Chance für die Werkself, aber sein Schuss strich knapp am Tor vorbei. Noch knapper verfehlte fünf Minuten später dann Teamkollege Eren Derdiyok mit einem Kopfball das Gehäuse der 05er. Auf der Gegenseite hätte der Ungar Adam Szalai fast aus einem Schnitzer von Hyypiä-Vertreter Stefan Reinartz Kapital geschlagen, schoss aber übers Tor.
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Mainz – aus Sicht des verletzten Michael Ballack ein „ganz harter Brocken“ – fand nach einer halben Stunde besser zu seinem Spielfluss, weil Bayer seinerseits nun fehlerhafter aufbaute. Das Meiste spielte sich aber im erlahmenden Querpass zwischen den Strafräumen ab. Ein Szalai-Kopfball, den René Adler in Volleyball-Manier abwehrte, sorgte ein letztes Mal vor der Pause für Aufregung.
Die Erwartung an ein temporeiches Offensivspektakel hatte sich nach einer Stunde der unheilvollen Kombination aus Fehlpässen und guten Defensivreihen ergeben. Mainz, bisher noch ohne Unentschieden in der Bilanz, schien sich diesmal mit selbigem arrangieren zu können und hatte in Szalai nur einen ständigen Gefahrenherd in des Gegners Hälfte. Den Hausherren fehlte derweil schlicht der Mann für die zündende Idee. Heynckes reagierte und brachte Patrick Helmes und Hanno Balitsch. Am zerfahrenen Auftritt der Werkself änderte dies jedoch nichts.
Wie ein perfekter Doppelwechsel aussieht, demonstierte dann Heynckes' Kollege Tuchel: Er schickte Schürrle und den Österreicher Andreas Ivanschitz aufs Feld. Und nur wenig später schob letzterer nach einem Fehler von Michal Kadlec eine flache Hereingabe von Schürrle aus fünf Metern zum 0:1 ins Tor (70.). Bayer bäumte sich nun noch einmal auf, der Ausgleich fiel aber nicht mehr. Am nächsten dran am 1:1 war Sam zehn Minuten vor Schluss mit einem Aufsetzer, der auf der Querlatte landete.
„Die cleverere Mannschaft hat heute gewonnen. Das muss man anerkennen“, befand Adler nach dem Spiel. „Es ist sehr bitter, denn diese Niederlage hätte nicht sein müssen.“ Tuchel sah dies naturgemäß anders: „Wir haben nach der Pause ruhiger gespielt. Es macht mich schon stolz nach der Niederlage in Hamburg mit einem Sieg in Leverkusen zurückzukommen.“ Nächste Woche empfängt Mainz Dortmund zum Duell Erster gegen Zweiter.
STATISTIK:
Leverkusen: Adler - Schwaab, Manuel Friedrich, Reinartz, Kadlec (75. Jörgensen) - Vidal - Lars Bender, Rolfes (59. Balitsch) - Sam, Barnetta (59. Helmes) - Derdiyok. - Trainer: Heynckes
Mainz: Wetklo - Bungert, Svensson, Noveski, Christian Fuchs - Marco Caligiuri, Polanski, Soto - Holtby (68. Schürrle) - Allagui (87. Karhan), Szalai (68. Ivanschitz). - Trainer: Tuchel
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Tor: 0:1 Ivanschitz (70.)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Beste Spieler: Adler, Vidal - Allagui, Soto
Gelbe Karten: - Karhan, Wetklo (2)
Torschüsse: 16:10
Ecken: 9:2
Ballbesitz: 51:49 %
Fouls: 15:20
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