Bayer 04 Leverkusen: Bayer verliert in Bochum seine Leichtigkeit
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 10:12Thomas Ernst, Sportvorstand beim VfL Bochum, hatte vor der Partie gegen Bayer Leverkusen Intimes preis gegeben: Kartoffelklöße in Buttertunke seien als Kind sein Leibgericht gewesen, erfuhren die Fans im früheren Ruhrstadion. Eine Kalorienbombe. Ähnlich schwer im Magen wie die Klöße des kleinen Thomas' lag Tabellenführer Leverkusen 90 Minuten später das 1:1 im Magen. Von der bisherigen Leichtigkeit war beim Herbstmeister nicht viel zu sehen gewesen.
Um einen Punkt zu ergattern, müsse bei Bayer schon einiges nicht funktionieren und seine Elf gleichzeitig ihr Potential voll ausschöpfen, hatte Bochums Trainer Heiko Herrlich im Vorfeld tiefgestapelt und damit eine exakte Spielanalyse für den Nachgang geliefert. Die körperlich starken Gastgeber glichen ihre spielerische Unterlegenheit durch Einsatz und harte Zweikampfführung auf, während bei den Leverkusener Kreativköpfen mit zunehmender Spieldauer die Frage mitschwang, warum die Offensivmaschine nicht ans Laufen kam. "Wir haben es nicht geschafft, die großen Chancen herauszuspielen, waren nicht zwingend genug", sagte Toni Kroos.
Es war kein schlechtes Spiel des Tabellenführers, aber eins, das kommenden Gegnern als Denkanstoß dienen könnte – mit der Botschaft: Gegen Bayer hilft die altbewährte Taktik des Einigelns. Bochum, bei dem sich der serbische Wintereinkauf Milos Maric zum kämpferischen Herzstück aufgeschwungen hat, verfolgte die Defensivvariante mit Erfolg, während Freiburg und Mainz gegen Leverkusen für ihr Mitspielen zuletzt Lob, aber keine Punkte erhielten.
Nur einmal war Bochum unaufmerksam, verlor Epallé den Ball an Vidal, und prompt schob Eren Derdiyok trotz schmerzhafter Fleischwunde am Fuß in der Nachspielzeit von Hälfte eins zur Leverkusener Führung ein. Doch was eigentlich Bayer in die Karten spielen sollte, ging nach hinten los. "Nach einer Stunde und in der Schlussphase haben wir Bochum zum Kontern eingeladen", sagt Leverkusens Trainer Jupp Heynckes. Der Ausgleich durch Dedic nach 68 Minuten war das erste Gegentor, das Bayer in dieser Saison nach einem Konter bekam. Weil der VfL kurz vor Schluss durch Stanislav Sestak die Chance zum 2:1 besaß, mussten die Akteure in Rot froh sein, dass ihre Serie von nun 21 Partien ohne Pleite anhielt.
Im Kabinengang zeigten sich die Werkself-Profis selbstkritisch: "Wir haben schlecht umgeschaltet von Offensive auf Defensive. Wir müssen aufpassen, dass sich keine Nachlässigkeiten einschleichen", sagte Vertretungs-Kapitän Manuel Friedrich. Nationaltorhüter René Adler beeilte sich aber nachzuschieben, dass jetzt keine Welt zusammenbreche. Zumindest verspüren Bayers Überflieger nun aber vermutlich wieder Bodenkontakt. Dafür sorgte auch Herrlichs Schlusssatz: "Meine Spieler waren in der Kabine gerade verärgert, dass wir nicht gewonnen haben."
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