Bayer 04 Leverkusen: Der Doktor hat das Sagen
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009Ob Jupp Heynckes am Samstag in Schalke auf der Leverkusener Bank sitzt, wird erst nach einer Untersuchung entschieden. Assistent Peter Hermann übernimmt im Notfall "eine schwierige, aber auch schöne Aufgabe".
Den Chef hat es richtig zerrissen. Seit Montag liegt Jupp Heynckes daheim in Schwalmtal im Bett, anfangs mit hohem Fieber. Jetzt scheint es dem 64-Jährigen besser zu gehen, der grippale Infekt klingt ab. Aber ob der Leverkusener Trainer am Samstag beim Bundesliga-Hit in Schalke auf Bayers Bank sitzen wird, ist noch unklar. Das wird der Herr Doktor nach eingehender Untersuchung und unter Vermeidung jeglichen Risikos heute entscheiden.
Unterdessen hat Peter Hermann die tägliche Arbeit mit dem Team erledigt, der Assistent ist erfahren und kompetent genug, das Training zu leiten. "Aber ich habe ständig mit Jupp Heynckes in Verbindung gestanden, wir haben uns abgestimmt. Ich mache keine Alleingänge", sagt Hermann, der vor seiner Rückkehr zu Bayer auch die Inhalte der Übungseinheiten in Nürnberg wesentlich beeinflusst hat.
Empfindet er das denn nicht als undankbar, womöglich ausgerechnet morgen auf Schalke Verantwortung tragen zu müssen, im Duell mit jener Mannschaft, der Felix Magath die Flausen ausgetrieben und sie auf ein beachtliches Niveau gehievt zu haben scheint? "Das", sagt Hermann, "ist für uns alle eine schwierige, aber auch schöne Aufgabe." Er hat, was sehr günstig ist, die Schalker am vergangenen Sonntag beim 3:3 gegen Hamburg live gesehen. Die Partie mit ihrem Pfiff und Biss hat auch ihn beeindruckt. Erwähnenswert hält der 57-Jährige die Leistungen der Schalker Youngster im Mittelfeld. "Schmitz und Moritz", betont er, "die hat bislang niemand gekannt."
Die Gelegenheit, ihr Talent vor breiterem Publikum auszubreiten, bekommen auch die Leverkusener Jungspunde wie Daniel Schwaab, Stefan Reinartz (oder Lars Bender) und Toni Kroos. Das ist deshalb der Fall, weil es erneut keinen Zuwachs gibt auf dem Personalsektor: Renato Augusto, Simon Rolfes, Michal Kadlec sind weiter verletzt, Patrick Helmes braucht noch ein paar Wochen mit der Rehabilitation.
"Wir müssen das wieder übers Kollektiv lösen wie schon gegen Dortmund, aber mit weniger Fehlern im Aufbau", sagt Hermann. Er hat sich begeistert gezeigt von der Kooperation der Profis unter der Woche, denn "ohne Chef ist das ja ab und zu so eine Sache". Alle "haben sehr gut mitgezogen, Manuel Friedrich, Sami Hyypiä, Quillo Barnetta, Stefan Kießling und Gonzo Castro vorneweg".
Das Ziel aller Übungen beschreibt Hermann so: "Wir müssen schauen, dass wir die Zuschauer zu Ruhe bringen." Die Fans in der Arena sind leidenschaftlich, aber auch schon mal leicht und schnell unzufrieden, wenn der Gegner das Handeln bestimmt. Wer genau beim Tabellenführer ins Duell mit Blau-Weiß geht, um die Spitzenposition zu verteidigen, ist noch nicht raus. "Über die Aufstellung haben Jupp Heynckes und ich noch nicht gesprochen", betont Hermann.
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