Bayer 04: Der natürliche Horror
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 08.09.2006Michael Skibbe sieht in der Pokal-Partie mit Koblenz die „unangenehmste Begegnung der Saison“, weil „alle nach einer Überraschung gieren“. Nach Kießlings Ausfall rücken Voronin und Freier in den Blickpunkt.
Es ist doch eine feine Sache, wenn die lieben Angestellten von ihren zum Teil anstrengenden Dienstreisen heil heimkommen und sich dort voll Tatendrang zur weiteren Arbeit melden. Michael Skibbe hat als Trainer von Bayer Leverkusen kürzlich ganz andere Erfahrungen gemacht, als ihm nach Länderspiel-Einsätzen prompt zwei Säulen seines Teams weggebrochen waren: Ohne Bernd Schneider und Juan ging’s in Bremen daneben. Gestern spätestens trudelten alle Nationalspieler Bayers in der BayArena ein, die seit eineinhalb Wochen unterwegs waren. „Zum Glück gab es keine Schreckensmeldung“, meinte der Coach erleichert.
Nun herrscht aber dort dennoch nicht Sonnenschein, auch deshalb nicht, weil Stefan Kießling gerade jetzt, da die Zeichen auf Attacke stehen, eine Zwangspause nehmen muss. Dessen Verletzung in der Leistengegend kann Skibbe nicht genau beschreiben („Ich kenne mich mit medizinischen Begriffen nicht so aus“), und auch auf die Dauer der Absenz mag er sich nicht festlegen. „Kießling fährt erst noch mal nach München zu Dr. Müller-Wohlfahrt, anschließend geht er für eine Woche zu Klaus Eder in die Rehabilitation“, erklärt der 41 Jahre alte Fußball-Lehrer. Doch nicht nur der Ausfall seines talentierten Stürmers, der in Leverkusen erst noch richtig Fuß fassen muss, drückt die Stimmung bei Skibbe.
Der Ausblick auf das Pokalspiel am Samstag beim Zweitligisten TuS Koblenz produziert jedenfalls kein Strahlen beim Bayer-Trainer. Im Gegenteil, er empfindet so etwas wie den natürlichen Horror vor dieser Partie. „Das“, sagt Skibbe, „ist die unangenehmste Begegnung der ganzen Saison. Alles giert nach einer Überraschung.“ Und der Leverkusener Übungsleiter sieht sich bei der Problematik einig mit der Mehrzahl seiner Kollegen, die sich im Cup mit einem favorisierten Ensemble bei den Underdogs zu behaupten haben.
Im Stadion Oberwerth in Koblenz, wo die Ex-Leverkusener Kenan Sahin und Anel Dzaka tätig sind, in Genf gegen Sion im Uefa-Cup, in Frankfurt und in Hannover in der Bundesliga – das sind die zu erledigenden Pflichten der nächsten Wochen. Ob das morgen in Koblenz womöglich eine Übungsstunde werde für die Zeit ohne Kießling? „Überhaupt nicht“, bekräftigt Skibbe, „Koblenz ist so stark, wie es das Tabellenbild der zweiten Liga beschreibt.“ Doch auch mit dem Rest des Personals, so es denn voll bei der Sache ist, muss der Einzug in die nächste Runde am Ende des Arbeitstages stehen.
„Andrej Voronin und Paul Freier rücken jetzt in den Blickpunkt“, erklärt der Trainer, der sich in der Offensive auch ohne Kießling immer noch gut aufgestellt sieht. Wie sich die Formation gestaltet, behält er bis morgen für sich.
Anpfiff: Samstag, 9. September, 15.30 Uhr, im Koblenzer Stadion Oberwerth
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