Bayer 04 Leverkusen: Die Integrations-Experten
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Ein Team um den pädagogischen Leiter Frank Ditgens betreut bei Bayer die ausländischen Profis. Von Sprachkurs bis Haftpflicht, von Wohnungssuche bis Pizza-Taxi – das Konzept soll die Spieler schrittweise selbständig machen.
Die Arbeit von Frank Ditgens und seinen mehr als zehn Mitstreitern beginnt, lange bevor ein ausländischer Profi sich das erste Mal auf dem Rasen der BayArena im Bayer-04-Trikot ablichten lässt.
"Wenn der Wechsel feststeht, machen wir uns daran, ein individuelles Betreuungskonzept zu erstellen. Wir erkundigen uns vor Ort über ihn, fragen Freunde, Verwandte, Trainer und analysieren sein Umfeld", sagt Ditgens. "Integrationskonzept" nennt Bayer diesen Ansatz und hat damit wohl bundesligaweit die meiste Erfahrung.
Jeder Spieler hat andere Bedürfnisse: Wie alt ist er? Kommt er mit Familie nach Deutschland, wie einst Juan oder Lucio? Kommt er alleine und bringt Freunde mit, wie Renato Augusto 2008? Reicht eine Wohnung oder wird ein Haus gesucht, wie im Fall Sami Hyypiä? Es geht um Plätze in einer internationalen Schule für den Nachwuchs, die Anmeldung vom Auto, die Einrichtung eines Bankkontos, den Fitnesskurs für die Ehefrau und die Fahrt ins Phantasialand.
Fünf Konzept-Bereiche
1. Sprache
2. persönliche Betreuung
3. familiäre Betreuung – Visum, Sprachkurse, Freizeit
4. finanzielle Betreuung – Bank und Versicherungen
5. Logistik – Wohnung/Haus (Raum Leverkusen: Willi Kühl; Raum Köln: Tomke Mahlstedt), Auto, Fernseher, PC etc.
"Bei allem, das wir anbieten, steht die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus", sagt Ditgens, sprich: Nach einer gewissen Zeit sollen die Spieler ihren Alltag selbst regeln. Das kann auch schon mal dazu führen, dass Bayers letztjährig ausgeliehener Brasilianer Henrique zu hören bekam, langsam könne er die Pizza-Taxi-Bestellung selbst aufgeben.
Jeder ausländische Profi erhält einen Betreuer, der seine Muttersprache spricht. Bei den Brasilianern übernimmt das Susanne Weber. Auch für den Bulgaren Berbatov, oder den Tunesier Haggui fand Bayer die passende Vertrauensperson. Der Schlüssel zu allem – nicht nur zur Bürokratie hierzulande – ist aber die deutsche Sprache. In den Deutsch-Kursen geht Bayer eigene Wege. Gemeinsam mit der Uni Dortmund wurde das Lehrkonzept "Deutsch für Ballkünstler" erarbeitet.
Hier sind die Lektionen praxis-, weil fußballnah. Die Spieler füllen ihre eigene Autogrammkarte aus, üben Konjugationen mit den Verben schießen, köpfen und gewinnen und lernen Lektionen in Form von Wettspielen. Auch um Intensivkurse für Familie und Freunde kümmert sich der Bayer-Tross. "Jeder Charakter ist anders, jeder Spieler bringt andere Voraussetzungen mit", sagt Ditgens. Aber von jedem werde Engagement bei der Integration erwartet.
Regelmäßig gibt es Absprachen und Austausch mit Trainer Jupp Heynckes und Teammanager Hans-Peter Lehnhoff. Denn, so Ditgens, ein Spieler könne nur dann Bestleistungen bringen, wenn das Privatleben funktioniere. Weil immer mehr Vereine zu dieser Erkenntnis kommen, fragen sie schon mal bei Bayers Experten nach.
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