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Bayer 04: Dunkle Stunde in Leverkusen

VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 23.11.2006 - 23:45

Die Leverkusener bereiteten ihrem Anhang gestern Abend mit dem 0:1 gegen Tottenham erneut eine große Enttäuschung. Licht kam nur von dem Lampen. Die Zuschauer pfiffen nach Herzenslust.

Zweikampf mit dem Leverkusener Gonzalo Castro (rechts) und Aaron Lennon – eine Szene aus dem Uefa-Cup-Spiel von Bayer 04 gegen Tottenham Hotspur.  Foto: RPO
Zweikampf mit dem Leverkusener Gonzalo Castro (rechts) und Aaron Lennon – eine Szene aus dem Uefa-Cup-Spiel von Bayer 04 gegen Tottenham Hotspur. Foto: RPO

Wie sehr hatte er sich „einen schönen Fußball-Abend gewünscht“ in Erinnerung an frühere Spiele mit internationalem Flair. Doch die Vorstellung von Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler blieb unerfüllt, und nicht nur seine. Auch die Fans des Bundesligisten reagierten voller Enttäuschung auf die dunkle Stunde, auf das 0:1 der Leverkusener im zweiten Gruppenspiel des Uefa-Cups gegen Tottenham Hotspur. Dabei stellten die Engländer nicht mal ein Team von überwältigendem europäischen Zuschnitt. Die Leverkusener ließen allen Glanz vermissen, Licht kam nur von den Lampen.

Ganz hell ausgestrahlt von den so genannten Lichtmasten-Kraftwagen der Bereitschaftspolizei war der Weg unter der Stelze am Stadion, der Zugang der britischen Fans von den dort geparkten Bussen in die Leverkusener Arena. Das ist bei Bayer kein unbekanntes Bild bei Begegnungen mit hohem Gefahrenpotenzial. Außerdem haben auf Bayers Bühne schon ganz andere englische Teams vorgespielt als Tottenham. Arsenal London, Manchester United, FC Liverpool – so hießen die höchst renommierten Gegner in Leverkusens besseren internationalen Zeiten in der Champions League. Und diejenigen englischen Anhänger, die bis nach Leverkusen vorgedrungen waren, verhielten sich vergleichsweise ruhig, sehr zur Freude der Ordnungshüter. Nur der McDonald’s-Laden an der Bismarckstraße bekam leicht was ab. „Nichts Schlimmes“, bemerkte Polizei-Pressesprecher Georg Kraushaar. Was die Schlachtenbummler von der Insel in ihrem Tribünenblock veranstalteten, ließ sich ertragen. Sie verbreiteten das übliche Liedgut mit Hingabe oder übten sich in Sprechchören von unglaublicher Lautstärke.

Da fiel es den Leverkusener Anhängern trotz Überzahl enorm schwer, stimmlich dagegenzuhalten, zumal die Bayer-Elf nichts unternahm zur Steigerung der Atmosphäre. Ganz ruhig wurde es sogar bei den Deutschen im Stadion, als ausgerechnet der Ex-Leverkusener Dimitar Berbatov zum 1:0 für die Spurs einschoss. Leichter als bei diesem Treffer konnten die Leverkusener es dem Bulgaren kaum machen. Und es gab in der Folge noch weitere Verwirrung im Bayer-Team, was die Zuschauer sogar wieder einmal zu Pfiffen animierte.

Doch warum sollte es ausgerechnet gestern Abend anders, besser laufen als in der Bundesliga, in der das Leverkusener Ensemble immer häufiger ein schlechtes Bild abgibt in seiner inneren Zerrissenheit, in seiner Inhomogenität. Viele Angriffe jedenfalls liefen ins Leere, die Abwehr wirkte nicht selten konfus, das Mittelfeld arbeitete vielfach unpräzise, der Sturm war bis auf wenige Szenen völlig harmlos. Und am Sonntag geht es jetzt weiter gegen Energie Cottbus. Das wird gewiss nicht leichter als gestern Abend gegen die Engländer.

Quelle: RP

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