Bayer Leverkusen: "Facebook ist Zeitverschwendung"
zuletzt aktualisiert: 09.01.2012Bayer Leverkusen (RP). Der 26-fache Nationalspieler macht sich große Hoffnungen, mit einer guten Rückrunde bei Bayer 04 auf den EM-Zug aufzuspringen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sprach er auch über de Umgang mit sozialen Netzwerken.
Wolfgang Holzhäuser ist jüngst mit der Aussage zitiert worden, mittelfristig wolle Bayer statt auf einige Platzhirsche auf die jungen Spieler setzen. Herr Rolfes, wie fühlen Sie sich als Platzhirsch?
Simon Rolfes (lacht) Ich fühle mich nach wie vor sehr gut. Nein, im Ernst, es ist gar kein Problem, dass der Verein mittel- und langfristig planen muss. Das tue ich als Spieler ja auch. Ich denke auch nicht nur von heute bis gestern.
Sie fühlen sich also noch nicht zum alten Eisen gehörig?
Rolfes Ich bin 29, ich habe noch nicht einmal die 3 vorne. Im vergangenen Jahr habe ich alle Belastungen mitmachen können. Das war wichtig nach der schweren Verletzung im Vorjahr.
Verändert sich dennoch die eigene Rolle, wenn die Mitspieler immer jünger werden?
Rolfes Das ist ein schleichender Prozess. Als junger Spieler schaust du nur auf dich und bist damit beschäftigt, deine eigene Leistung hinzubekommen. Je mehr Erfahrung du sammelst, desto mehr fängst du an, auch mal rechts und links zu gucken.
Wird man im Laufe einer Karriere automatisch mündiger?
Rolfes Man wird einfach gelassener. Man hat halt schon viel erlebt. Da ist es dann auch so, dass manchmal kritische Töne nicht unbedingt leistungsmindernd sind. Im Laufe der Jahre wird man mutiger, Dinge auch anzusprechen. Als junger Spieler wirst du einfach auch schneller abgekanzelt.
Robin Dutt hat vor der Saison gesagt, Erfahrung äußere sich vor allem durch die Fähigkeit zur Antizipation. Die werde aber zunehmend unwichtiger, weil es heute darum gehe, Spielsituationen so zu gestalten, wie man sie haben wolle. Ist Erfahrung folglich ein aussterbendes Gut?
Rolfes Das glaube ich nicht. Wenn ich mir Sami Hyypiä in den vergangenen zwei Jahren anschaue: Der hat sehr viel mit Erfahrung gemacht. Die jungen Spieler sind heute sicherlich weiter, die Frage ist aber, wie lange sie weiter sind. Früher lief eine Karriere über knapp 13 Jahre, so von 22 bis 35. Heute sind die Jungs schon mit 18 sehr weit, weil sie schon mit zehn unter Profibedingungen trainieren. Das haben wir erst später gekonnt, vielleicht sind wir deswegen aber auch in der Lage, länger als Profi zu spielen. Lasst uns mal abwarten, wie weit die jungen von heute mit 30, mit 33, mit 35 sind.
Einen Trend der jüngeren Mitspieler, den Sie konsequent ablehnen, ist die Nutzung von Facebook. Warum?
Rolfes Weil ich das für eine gnadenlose Zeitverschwendungsmaschine halte. Wenn ich sehe, dass manche Leute 400 Freunde haben, da müssen diese Menschen ja den ganzen Tag damit beschäftigt sein, die bei Laune zu halten. Ich rufe meine Freunde an, und ich muss auch nicht nachlesen können, ob sie abends Pizza essen. Das ist ein Trend in der Gesellschaft, der sehr starke Auswirkungen haben kann, der die Leute nervös macht. Es ist also stressfrei für mich, das Ganze gar nicht erst mitzumachen.
Zurück zum Sportlichen: Woran hat Ihr Spiel in der Hinserie gehapert?
Rolfes In vielen Bereichen hat ein bisschen was gefehlt. Aber das betraf ja nicht nur meine Entwicklung, sondern auch die der gesamten Mannschaft. Und das eine bedingt das andere. Es hat eine hochziehende Wirkung für jeden einzelnen, wenn mehrere gut spielen, aber es ist andersherum eben genauso. Das ist das Schöne am Mannschaftssport. Wir hängen alle voneinander ab.
Wenn Sie verletzungsfrei bleiben, sparen Sie sich die Planung des Sommerurlaubs und fahren mit zur EM?
Rolfes (lacht) Es ist natürlich mein festes Ziel, dass ich keinen Sommerurlaub planen muss. Ich plane ihn sowieso nicht. Die EM ist mein großes Ziel. Ganz klar. Da will ich unbedingt hin.
Stefan Klüttermann führte das Gespräch.
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