Bayer Leverkusen: Heynckes mit jeder Pore Trainer
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010 - 13:07Neulich, als Michael Ballack sich in der BayArena der Öffentlichkeit präsentierte, erging die Frage an Jupp Heynckes, ob er denn auch die kompletten zwei Jahre, die Ballacks Vertrag in Leverkusen läuft, dessen Trainer sein werde. „Damit befasse ich mich erst im Winter, aber es ist klar, dass dieser Job viel Kraft kostet, wenn man ihn konsequent ausübt“, sagte der 65-Jährige, dessen Kontrakt bei Bayer 04 im Sommer 2011 ausläuft.
Wer Heynckes in diesen Tagen im Trainingslager in St. Gallen sieht, ihm zuhört, der weiß einen Mann vor sich, der auch nach etlichen Jahren im Geschäft den Trainerberuf mit jeder Pore lebt.
Heynckes sitzt in der Lobby des Mannschaftshotels. Er ist entspannt. Das Mittagessen ist gerade vorbei, und davor hat er endlich einmal Zeit gefunden, selbst Sport zu treiben. Das ist ihm wichtig. Jetzt lehnt er im dunklen Ledersessel und spricht über das, was dem Fußballtrainer in ihm wichtig ist. „Ich dulde nicht, wenn ein Spieler schludert“, lautet eines seiner Credos in der täglichen Arbeit.
Böse musste er aber bisher in der Saisonvorbereitung auf keinen seiner Akteure sein. Alle zögen hundertprozentig mit, würden nicht müde, die Automatismen im Training konsequent einzustudieren. „Ein Roger Federer trainiert schließlich auch immer wieder dieselben Schläge“, sagt Heynckes. Und fürwahr, selbst langjährige Beobachter sind angetan vom Eifer der Bayer-04-Profis auf dem Schweizer Trainingsplatz. „Was alle hier leisten, ist nicht alltäglich. Das bestätigen mir auch Spieler, die von anderen Vereinen zu uns kommen“, lobt Heynckes.
Der gebürtige Mönchengladbacher schafft es offenbar, zu jedem seiner Schützlinge den passenden Zugang zu finden – das fällt auf bei den vielen Gesprächen am Rande der Einheiten, und das bestätigen die Beteiligten selbst. Im heutigen Fußball seien es Details, die den Unterschied ausmachten. Selbst die WM habe ja im taktischen Bereich nichts Neues gebracht. Und so spürt man förmlich, wie stolz Heynckes ist, dass sie bei Bayer anerkannt neueste Wege gehen, was Trainingssteuerung, Regeneration und ganzheitliche Betreuung der Spieler betrifft.
Von einer „ganz anderen Fußballwelt“ habe letztens ein Neuzugang gesprochen, sagt Heynckes. Das freut ihn. Früher, erzählt er mit Schmunzeln, als er noch Spieler bei Borussia war, habe Trainer Hennes Weisweiler auch schon mal die zweite Garde ins Rennen geschickt, wenn der Berti Vogts grätschen üben sollte. So was sei natürlich heute nicht mehr drin.
Als beim Testspiel in Altach am Sonntag der Stadionsprecher die Leverkusener Spieler bei der Vorstellung über den grünen Klee lobte, mahnte Heynckes ihn mit einer freundlichen Geste zur Zurückhaltung. Abheben soll schließlich keiner. Das duldet er nämlich genausowenig.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




