Bayer Leverkusen: "Ich komme mit meiner Art gut an"
zuletzt aktualisiert: 13.10.2010 - 15:04Bayer Leverkusens Rechtsverteidiger Daniel Schwaab (22) über ungerechte Behandlung in den Medien, seinen Stellenwert in der Mannschaft, den kommenden Gegner VfL Wolfsburg und Gedankenspiele zur Nationalmannschaft.
Jupp Heynckes hat nach dem 2:2 gegen Bremen kritisiert, Sie kämen in der öffentlichen Bewertung Ihrer Leistung durchweg zu schlecht weg. Hat er recht?
Daniel Schwaab Ja, dem kann ich durchaus zustimmen.
Und woran liegt diese Geringschätzung?
Schwaab Vielleicht liegt es an meiner Position, bei der es ein geschulteres Auge braucht, um eine gute Leistung zu erkennen. Bei einem Stürmer, der zwei Tore erzielt, ist das für viele einfacher. Aber für mich ist nur wichtig, dass der Trainer mich und meine Auftritte richtig einschätzt.
Der fand, dass Sie gegen Bremen Ihr bestes Spiel gemacht haben, seitdem er mit Ihnen zusammenarbeitet.
Schwaab Ob es mein bestes Spiel war, weiß ich nicht. Es war auf jeden Fall ein gutes. Und ein solches Kompliment vom Trainer motiviert einen natürlich.
Welche Rolle spielt Jupp Heynckes insgesamt für Ihre Entwicklung?
Schwaab Er redet unheimlich viel mit jedem einzelnen. Und er findet zum richtigen Zeitpunkt immer die richtigen Worte. Er lobt, wenn es mal nicht so gut läuft, und wenn man obenauf ist, verlangt er noch mehr und kritisiert.
Was hat er speziell von Ihnen vor der Saison verlangt?
Schwaab Dass mein Spiel variabler werden und ich mir mehr zutrauen soll.
Das haben Sie zuletzt durchaus umgesetzt.
Schwaab Ich denke schon. Wenn man positives Feedback bekommt, traut man sich natürlich auch mehr zu. Ich hatte in den Vorbereitungsspielen im Sommer ein gutes Gefühl. Also habe ich auch in der Liga das ein oder andere ausprobiert.
Was auffällt, ist vor allem Ihr verstärkter Offensivdrang.
Schwaab Ja, da mache ich deutlich mehr. Ich denke, meine Stärke liegt in der Spieleröffnung, im vertikalen Ball auf den Stürmer, nicht im langen Schlag. Nur muss ich natürlich immer aufpassen, denn ich spiele ja auf einer prekären Position. Wenn ich hier den Ball verliere, wird es schwierig.
In zwei Freundschaftsspielen haben Sie zuletzt auch Innenverteidiger gespielt – eine Option auch für den Ernstfall?
Schwaab Ich habe das in Freiburg ja auch mal gespielt und in der U 21-Auswahl fast nur. Ich kann das auf jeden Fall spielen, aber ich sehe mich viel stärker als Außenverteidiger.
Als einen hervorstechenden Charakterzug geben Sie Hilfsbereitschaft an. Ein Lautsprecher sind Sie auch nicht – muss man heutzutage als Fußballprofi sein Ego nicht viel stärker herausstellen?
Schwaab In einer anderen Mannschaft vielleicht. Nicht bei Bayer. Ich denke, ich komme mit meiner Art gut an und habe mir einen ordentlichen Stellenwert im Team erarbeitet.
Für eine Abitur-Note mit einer eins vor dem Komma muss man sich im Kreis der Kollegen auch nicht schämen, oder?
Schwaab Nein, ich tue es jedenfalls nicht. Natürlich hat es schon den ein oder anderen dummen Spruch gegeben, aber das ist okay. In der Schule war es so wie mit allem, was ich mache: wenn, dann richtig.
Gilt das folglich auch für Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FernUni Hagen?
Schwaab Das ist im Moment eher zweit- oder drittrangig. Aber ich bin halt nicht der Typ, um neben dem Training gar nichts zu tun. Als Fußballer hat man zwar die große Chance, finanziell auszusorgen. Aber ich brauche auch eine Aufgabe für die Zeit danach.
Die nahe Zukunft sieht ein Auswärtsspiel in Wolfsburg vor. Wie stehen Bayers Chancen dort?
Schwaab Sie haben in Dzeko und Grafite natürlich eine Riesenoffensive, mit das beste, was in der Bundesliga herumläuft. Und dahinter Diego. Aber ich denke, wenn wir hinten eine Null halten, gewinnen wir das Spiel, denn hinten sind sie nicht so sattelfest.
Denken Sie eigentlich manchmal über das Thema Nationalmannschaft nach?
Schwaab Nicht direkt. Man sieht ja, dass die Nationalelf so aufgestellt ist, dass junge Spieler eine Chance erhalten. Wenn man im Verein über einen längeren Zeitraum gute Leistung bringt, wird man dafür auch irgendwann belohnt.
Stefan Klüttermann führte das Gespräch.
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