Bayer 04 Leverkusen: Im Schleuderkurs
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009Der zweite Abschnitt beim 1:1 gegen Dortmund gerät den Leverkusenern zur Charakterschulung. Heynckes verspricht im Rückblick auf eine anfangs sehr schwache Leistung gelassen Besserung. Jung und Alt ohne Halt.
René Adler nimmt sich stets Zeit zur Sammlung nach Erledigung auch nervlich belastender Arbeit. Deshalb betrat Bayers Torhüter erst kurz vor Mitternacht den Aufzug in die Beletage der BayArena zum gemeinschaftlichen Essen. Adler hat die gute Stunde zwischendurch gebraucht, um psychisch runterzuschalten von 100 auf einen bekömmlichen Wert.
Die erste Reaktion des fast beschäftigungslosen Schlussmannes unmittelbar nach dem Leverkusener 1:1 gegen die nun wirklich nicht übermäßig starken Dortmunder war ziemlich barsch ausgefallen. Von fehlender Leidenschaft redete er da, von nicht erledigten Hausaufgaben. Später hörte sich das schon leicht versöhnlich an: "Wir haben in der zweiten Halbzeit ja Moral gezeigt und das beherzigt, was wir zur Pause in aller Ruhe besprochen haben."
Aber was lässt sich tun, wenn ein Youngster wie Lars Bender nach dem zwingendsten Angriff der gesamten Begegnung gleich die erstbeste Chance zur Leverkusener Führung vergibt und anschließend ein paar Bälle fahrig spielt wie den hohen Rückpass auf Adler, bei dem selbst der ins Schleudern kommt? Und wie ist einem Daniel Schwaab zu helfen, der unkonzentriert mit seinen Zuspielen einen alten Fahrensmann wie Sami Hyypiä in höchste Not bringt? Dass Arturo Vidal solche Klöpse produziert wie beim Ballverlust vorm 0:1, ist ja mittlerweile Gewohnheitssache.
"Wir müssen über die Fehler reden und daraus lernen – alle. Aber nicht in der Öffentlichkeit", sagte Hyypiä, der ausdrücklich nicht unterscheiden mochte zwischen Jung und Alt. Und auch der Finne, der diesmal in den Schatten von seinem Nebenmann Manuel Friedrich geriet ("Er macht das schon die gesamte Saison sehr gut"), fand zumindest "den Charakter, den wir nach der Pause bewiesen haben", lobenswert.
Fluss hingegen mochte sich trotz des Freitagsabend-Flutlicht-Fluidums und eines reizenden, animierenden Publikums nie einstellen. Schon die Eröffnung aus Abwehr und Mittelfeld missriet zu oft. Toni Kroos etwa blieb erneut den Nachweis besonderer Begabung schuldig. Tranquillo Barnetta löste erst nach seinem Eckball zum 1:1 die Bremse, machte dann auch bis zum Ende Dampf. Eren Derdiyok, der viel Potenzial hat an Technik, Schnelligkeit und Schusskraft, macht unerklärlich selten Gebrauch von seinen Talenten.
"Natürlich merkst du, wenn zwei, drei Leute wie Rolfes, Renato und Kadlec ausfallen", sagte Jupp Heynckes, den schon unter der Woche eine böse Vorahnung beschlichen hatte, weil "ich gesehen und gefühlt habe, dass die Mannschaft nicht gut drauf ist. Da hat was gefehlt". Aber: "Das muss besser werden und wird auch besser."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




