Bayer Leverkusen: Keine Schaumschläger und Sprücheklopfer
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 16:04Um Deutscher Fußballmeister werden zu können, müssen für einen Verein zwei Faktoren zusammenkommen: Er muss erstens über einen längeren Zeitraum auf konstant hohem Niveau, ja eigentlich über seinem Niveau, spielen. Und zweitens darf der FC Bayern München nicht zu früh in einer Spielzeit zu seiner Normalform finden.
Den ersten Faktor hat jeder Verein in der Hand, den zweiten nicht. Bayer Leverkusen spielt seit 22 Spieltagen auf hohem, ja teilweise weit über dem erwartbaren Niveau. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn Spieler wie Stefan Reinartz, Lars Bender oder Daniel Schwaab, die in der Vorsaison um Punkte in Oberhausen oder Ahlen kämpften, plötzlich Woche für Woche gehobenen Bundesliga-Ansprüchen genügen.
Wenn es am Ende nicht für die Meisterschale reichen sollte, liegt es also viel mehr an den Bayern, die – aus Sicht der Konkurrenz – viel zu früh, nämlich bereits zur Mitte der Hinrunde, ihre Form gefunden und das van-Gaal’sche System verinnerlicht haben.
"Vizekusen" gerät rund um die BayArena vom Schimpfwort zum Wort der Anerkennung. Stünde am Ende Rang zwei, wer wollte den Team vom Jupp Heynckes voll Häme entgegen halten: "Seht ihr, da habt ihr es wieder nicht geschafft!"? Das wäre in etwa so, als hätte man Rudi Völler und der Deutschen Nationalelf nach der völlig überraschend guten WM 2002 mit dem Vizeweltmeistertitel gesagt: "Mensch, die Brasilianer hättet ihr doch auch noch eben schlagen können!"
Außerdem: Als Bayer 2002 in Liga, Pokal und Champions League Zweiter wurde, war der Kader um Michael Ballack, Zé Roberto oder Diego Placente ein ungleich teurerer als der heutige. Damals durfte man die Werkself zurecht als Kandidat auf den Titel zählen, auf Augenhöhe mit Bayern München oder (damals) Borussia Dortmund.
In Bayers aktueller Truppe stecken keine Schaumschläger und Sprücheklopfer. Auch das war durchaus schon einmal anders.
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