Bayer Leverkusen: Pechvogel Lenz hilft Bayer
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 10:46Leverkusen profitiert beim 2:1 gegen Wolfsburg vom doppelten Missgeschick des 36-Jährigen. Lenz kann vor dem ersten Tor den Ball nicht festhalten, bei Treffer Nr. 2 springt die Kugel von seinem Schienbein über die Linie.
In der Welt des Lorenz-Günther Köstner dominierte am Samstag auch nach der 1:2-Niederlage in Leverkusen die Farbe rosa. Der Interimstrainer von Vorjahresmeister VfL Wolfsburg erläuterte stoisch, dass sein Team als Kollektiv gut gearbeitet habe und Torschüzenkönig Grafite wieder bereit gewesen sei, sich reinzuhängen. Er schien es wirklich ernst zu meinen.
Jenseits von Köstners Sicht der Dinge sahen viele andere unter den 30 000 Zuschauern in der BayArena in Zvjezdan Misimovic, Christian Gentner und Josué ein Mittelfeld-Trio der Niedersachsen, das leidenschaftslos im Einheitstempo durch die 90 Minuten trottete und Dienst nach Vorschrift in Reinform vollführte. Der von Köstner angesprochene Brasilianer Grafite, in der Vorsaison immerhin 28-facher Torschütze, schien von Torgefahr so weit weg wie es Köstner von einer Beschäftigung als Cheftrainer über das Saisonende hinaus sein dürfte.
Im Duell der Werksvereine hatte Bayer das Spiel im Griff, ohne die Gäste aus der Autostadt zu überrennen. Es erinnerte eher an das Verschieben von Schachfiguren, wie der Spitzenreiter vor allem in der ersten Halbzeit nach der erfolgsversprechenden Lücke suchte. Leverkusen, bei dem Trainer Jupp Heynckes den jungen Lars Bender dem erfahreneren Gonzalo Castro im defensiven Mittelfeld vorgezogen hatte, mühte sich zunächst vergebens um Großchancen. "In der Pause habe ich meine Spieler aufgefordert, die Drehzahl zu erhöhen", sagte Heynckes. Auf die Siegerstraße brachte sein Team indes Wölfe-Keeper André Lenz. Vor dem 1:0 durch Stefan Reinartz ließ der Dauervetreter des Schweizer Nationaltorhüters Diego Benaglio den Ball nach einem Freistoß von Toni Kroos fallen, beim 2:0 prallte der Kopfball von Eren Derdiyok erst an die Latte, dann gegen Lenz' rechtes Schienbein und von dort ins Tor.
Erstmals in der Rückrunde war es die Heynckes-Elf, die im Duell mit Bayern München und Schalke 04 vorlegen konnte. Druck angesichts dieser neuen Situation war dabei nicht spürbar. Das Bubi-Mittelfeld um Reinartz (21) und Bender (20) präsentierte sich ball- und passsicher, abgeklärt wie erfahrene Kempen. Und als es nach dem Anschlusstreffer durch Edin Dzeko plötzlich doch noch einmal eng wurde, erwies sich René Adler als wiedererstarkter Rückhalt, der mit seiner Parade gegen Misimovics Direktschuss in der Nachspielzeit den Sieg festhielt. "Am Ende war es brisant, da mussten wir höllisch aufpassen", gab Adler hinterher zu.
Ein Wehrmutstropfen bei Bayers 22. Saisonspiel ohne Niederlage war die fünfte Gelbe Karte gegen Bayers überragenden Abwehrorganisator Sami Hyypiä, der damit bei der nächsten Partie in Bremen ausfällt. "Ich nehme Sami trotzdem mit ins Weserstadion", legte sich Heynckes spontan fest, "als Talisman." Der Finne selbst gab sich dagegen gewohnt bescheiden. "Es war ja klar, dass die Sperre irgendwann kommen würde", sagte er. "Aber Fußball ist keine Ein-Mann-Show, die Jungs werden das schon kompensieren."
Wolfsburg reduziert sich momentan auf die Ein-Mann-Show des Edin Dzeko. Auch wenn Lorenz-Günter Köster das anders sehen wird.
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