Bayer Leverkusen: Renatos Reifeprüfung
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010Jupp Heynckes hat sich den Mund fusselig geredet, um seinen brasilianischen Techniker weg vom Eigensinn und hin zur Mannschaftsdienlichkeit zu bewegen – Renatos gestriger Auftritt in Dortmund legt nahe, dass der Trainer erfolgreich war.
Es war im Trainingslager in St. Gallen, als Leverkusens Trainer Jupp Heynckes einen seltenen Einblick in seine Gefühlswelt bot. Ja, es koste ihn einiges an Substanz, immer und immer wieder auf Renato Augusto einzuwirken und ihm zu erklären, wie er seine individuellen Stärken effektiver ins Mannschaftsspiel einbinden müsse.
Der Auftritt von Bayers brasilianischem Techniker beim 2:0 (2:0) in Dortmund gestern Abend lässt vermuten, dass sich sein Trainer nicht umsonst einen "fusseligen Mund" geredet hat. Es war nicht einmal in erster Linie das Tor zur Leverkusener 2:0-Führung, das Renato Augusto auf den Notenblöcken der versammelten Journalistenschar auf der Pressetribüne gute bis sehr gute Werte eingebracht haben dürfte. Den Treffer erzielte er auf bekannte Weise: nach einem Dribbling. Viel beeindruckender aus Sicht derer, die es mit Bayer 04 halten, war die Art und Weise, wie mannschaftsdienlich der 22-Jährige auf der rechten Außenbahn seine Rolle interpretierte.
Er ging weite Wege, unterstützte seinen Hintermann Gonzalo Castro bei BVB-Angriffen über deren linke Seite, verhielt sich taktisch sehr gut und rückte in den richtigen Momenten ein. Darüber hinaus vermochte in der Offensive endlich auch mal den Ball im richtigen Moment abzuspielen, statt mit einem Hängenbleiben am dritten Gegenspieler gefährliche Gegenangriffe einzuleiten. Nur einmal kam der "alte Renato" in der ersten Halbzeit noch zum Vorschein, als er eine aussichtsreiche 3:2-Überzahlsituation durch Eigensinn zum Versiegen brachte. Das, hatte Heynckes vor geraumer Zeit gesagt, sei eine Sache, die er im Bayer-Spiel vor seiner Zeit oft beobachtet habe und in jedem Fall abgestellt haben wolle.
"Renato ist ein Super-Spieler, und zu einem Super-Spieler gehört eben auch, dass er Tore schießt", sagte Heynckes gestern in den Katakomben des früheren Dortmunder Westfalenstadions. Es sollte wohl wie ein Lob klingen, denn der 65-Jährige hatte seinem Schützling auf Spanisch wohl mehr als einmal nähergebracht, er müsse in Sachen Torgefahr unbedingt eine Schippe drauflegen.
Der Gelobte bekam von seinem Trainer Minuten vor Schluss dann auch seinen eigenen Applaus, als er ihn für Daniel Schwaab vom Platz nahm. Die Fans quittierten die Leistung ihres Lieblings mit langgezogenen "Renato"-Rufen. Es gibt Spiele, da passt halt einfach so ziemlich alles.
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