Bayer Leverkusen: Vidal stolpert Bayer 04 zum Sieg
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.11.2010 - 21:01Jupp Heynckes ist laut eigener Aussage kein Freund von Statistiken. Und so wird es den Trainer von Bayer Leverkusen vermutlich auch nur am Rande interessiert haben, dass er beim Europa-League-Spiel gegen den griechischen Vertreter Aris Saloniki im 18. Pflichtspiel dieser Saison zum 18. Mal eine veränderte Startelf ins Rennen schickte. Saisonübergreifend haben fleißige Beobachter sogar 28 Partien gezählt.
Eine zweite, ungleich simplere, Statistik interessierte Heynckes gestern um kurz vor 21 Uhr wohl deutlich mehr: das schmeichelhafte Ergebnis von 1:0 für sein Team und der damit verbundene „Big Point“ zur Qualifikation für die nächste Runde.
Wie beim tristen 0:0 im Hinspiel vor zwei Wochen durften auch diesmal in Burak Kaplan und Nicolai Jörgensen zwei aus der zweiten Reihe der Werkself hinein ins Rampenlicht, Kapitän Simon Rolfes und die gleichfalls arrivierten Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok und Daniel Schwaab blieben zunächst draußen.
Angefeuert von einem sehr gut gefüllten und ebenso lautstarken Fanblock – bestehend aus mitgereisten Fans aus Nordgriechenland und hunderten Griechen aus der näheren Umgebung Leverkusens – trauten sich aber erst einmal die Gäste in gelb unerwartet forsch in die Offensive.
Die Hausherren dagegen wirkten vom Anpfiff weg seltsam pomadig und schläfrig. Von den am Vortag noch proagierten Heynckes' schen Zielen, das Tempo hochzuhalten und den erwartet tief stehenden Gegner über die Außenpositionen „aufzumischen“, war nichts zu sehen.
Der einzige, der die Lethargie der ersten Hälfte für wenige Sekunden durchbrach, war Bayers Chilene Arturo Vidal, der nach 25 Minuten eine Ball volley aus 25 Metern an die Latte schoss. Doch die Lethargie eroberte sich schnell das Kommando über das Geschehen in der BayArena zurück. Und so war der Pausenpfiff für die 18.265 Zuschauer, die gekommen waren, auch irgendwie ein Weckruf.
Mit Simon Rolfes (für Lars Bender) und Eren Derdiyok (für Nicolai Jörgensen) wollte Heynckes dem fest eingeplanten Heimsieg dann einen Schritt näher kommen. Als Michal Kadlec dann aber zuerst seinen Gegenspieler im Rücken laufen ließ und wenig später der bei Aris eingewechselte Litauer Devidas Cesnauskis frei im Strafraum auftauchte, hatte es Bayer wie schon öfter in den vergangenen Wochen René Adler zu verdanken, dass es weiter 0:0 stand. Von einem rassigen Europapokal-Abend unter Flutlicht war die Partie vor den Augen des verletzten Michael Ballack weiterhin so weit enfernt wie Thessaloniki vom Rheinland.
Bayer sonstige Stärke, das sichere Kombinationsspiel aus der Abwehr heraus, fand viel zu selten statt. Die Vorgabe mit dem hohen Tempo erledigte sich daher meist schon in den Ansätzen. Bezeichnend auch, dass ein offensichtlich mit Knieproblemen kämpfender Adler immer wieder als Anspielstation genutzt wurde. Als Salonikis Javito den Ball eine Viertelstunde vor Schluss aus zwölf Metern frei über das Tor schoss, mussten die Griechen langsam aber sicher anfangen, sich über das Remis zu ärgern. Der Sieg blieb dann aber doch noch völlig überraschend in Leverkusen, weil Arturo Vidal in Minute 90 einen Zufallsball aus vier Metern über die Torlinie bugsierte. Der Rest war Erleichterung.
Statistik
Leverkusen: Adler - Balitsch, Manuel Friedrich, Reinartz, Kadlec - Lars Bender (46. Rolfes), Vidal - Sam, Kaplan (63. Barnetta) - Helmes, Jörgensen (46. Derdiyok). - Trainer: Heynckes
Aris: Sifakis - Vangeli, Guiaro, Lazaridis, Michel - Faty, Toja - Javito, Calvo (79. Kaznaferis) - Koke (90.+1 Prittas), Ruiz (57. Cesnauskis). - Trainer: Cuper
Schiedsrichter: Bruno Paixao (Portugal)
Tor: 1:0 Vidal (90.)
Zuschauer: 18.265
Beste Spieler: Adler, Vidal - Javito, Toja
Gelbe Karten: Vidal -
Torschusse: 19:16
Ecken: 6:12
Ballbesitz: 63:37 Prozent
Fouls: 11:11
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