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Leverkusen: 1250 quietschvergnügte Wiever

VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 04.02.2010

Die Damensitzung der Karnevalsgesellschaft Altstadtfunken vun 1902 liegt weiter an der Spitze der Leverkusener Saalsitzungen. Die Opladener boten gestern im Forum-Terrassensaal 1250 jecken Frauen ein tolles, über fünfstündiges Unterhaltungsprogramm.

Info

Vier Auftritte

Altstadfunken-Vorsitzender Norbert Esser war glücklich: "Das Programm ist nicht zu toppen. Ich bin so froh, dass wir die Bläck Fööss bekommen haben. Die machen nur noch vier Auftritte pro Abend."

Närrinnenkusen Ina Deter, Du liegst falsch, wenn Du trällerst "Neue Männer braucht das Land". Das ist Unsinn, und das wüsstest Du, wärst Du schon mal auf der Damensitzung der Altstadfunken gewesen. Da reichen 1250 Frauen aus, um den Lärmpegel eines voll besetzten Fußballstadions locker zu übertönen. Jede Skihütte schämte sich ihrer Après-Ski-Party ob der Stimmung unter den jecken Damen, und jeder Mann bekäme im Publikum kein Wort dazwischen, wäre also zu viel. Heißt: Der Forum-Terrassenaal – "das schönste Treppenhaus Leverkusens" (Blötschkopp) – gehörte den Jeckinnen.

Die Bühne allerdings, die gehörte den Männern bis auf "Et fussisch Julche" Marita Köllner, aber die ist schon so lange im Geschäft, dass sie als Mann gezählt werden kann. Und als Stimmungsanheizer ist "dat Marita" (Altstadtfunken-Präsident Rainer Martins) unschlagbar, schlug sie doch ständig ein "Ärmche" gen Himmel und winkte in die Menge. Die Menge winkte zurück, sang mit. Die ersten zehn Minuten der Mädchensitzung gerierten sich so, als hätten die 1250 Närrinnen bereits seit viereinhalb Stunden gefeiert. Anheizen hätte Marita Köllner eigentlich nicht mehr müssen, vielleicht eher für Abkühlung sorgen... Etwa in Form von Piccolöchen, denn die waren nach eineinhalb Sitzungsstunden schon alle im Saal verdunstet, wie ein Keller (ja, für Servierarbeiten waren gestern meist Herren zuständig) einer Gästin gestehen musste und als Ersatz einen Kaffee brachte.

Da wurde der Kaffee kalt

Der wurde wahrscheinlich kalt, denn wann sollte Frau an der Tasse nippen, wenn sie ihre Hände dauerhaft für Klatschmärsche und frenetische Applaustürme nutzen und die Lippen zum Mitsingen formieren musste? Kaum war die Köllner weg, kamen die Opladener. Die Altstadtfunken liefen in voller Größe – von 80 Zentimetern bis 1,95 Meter – auf und boten dar, was Funken (Kommandant Udo Kreie: "Das sind die schönsten Männer Opladens!"), Mädchengarde, Kadetten und Musikpänz zu bieten hatten. Vor allem eines – blau-weißen Schwung auf der Bühne.

Puh! Danach war eine Verschnaufpause nötig, allerdings im Saal und nicht auf der Toilette. Denn als "Dä Blötschkopp" die Treppen in der Halle durchmaß und eben jenes schönste Treppenhaus lobte, spurten die Damen. Es muckste sich niemand, bis auf die Versprengten, die doch wegen des Kaffees das Klöchen hatten aufsuchen müssen oder sich im Foyer schon mal den Wadenumfang von Leverkusens Prinz Bernhard I. ansehen wollten (nach Augenmaß: sehr stattlich!). Zuspätkommer integrierte der Mann, der "die alten Karohosen von Brings" aufträgt, in seinen Auftritt. Ebenso die Herren des Elferrates: "Ich finde es schön, wenn ein Verein seine Senioren auf die Bühne setzt." Und die Showband, die in einer Sprechpause glatt ihren Einsatz vergaß: "Das ist immer das Problem mit den ukrainischen Aushilfskapellen, die verstehen einen nicht so gut." Die Närrinnen kicherten, quietschten, lachten. Dabei brauchten sie noch so viel Puste. Für Prinz Bernhard I., die Räuber, Guido Cantz, Brings, das stripteasende Dellbröcker Boore Schnäuzer Ballett, Ne Bergische Jung, die Bläck Fööss, de Höhner. Ach Ina, Du hast Unrecht. Wir brauchen keine neuen Männer. Die, die bei den Altstadtfunken ein klasse Programm lieferten, reichen.

Quelle: RP

 
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