Leverkusen: Nostalgie im Schneegestöber
VON LEO GORES - zuletzt aktualisiert: 14.02.2010 - 18:30Abstecher in die Vergangenheit ermöglichte der Karnevalszug in Wiesdorf. Er stand unter dem Motto "Sick 100 Johr mir Jecke durch de Stroße trecke". Eine Kutsche, ein alter Laster, eine Litfasssäule mit Plakaten von annodazumal und viele historische Kostüme erinnerten an frühere Zeiten.
Die jecken Wetterbedingungen in der City waren überwiegend nach dem Geschmack der Narren. Auf den Schnee als kalt-weiße Zugabe hätten die meisten Besucher des Karnevalszuges zwar sicher gern verzichtet. Der übrige Niederschlag sorgte jedoch für ein meteorologisch-jeckes Stimmungshoch: Es schneite Kamelle, Pralinen, Schokolade, weiteres Naschwerk, Bälle, Strüßjer, Plüschtiere und angesichts der Minustemperaturen diesmal erstaunlich beliebte Taschentücher. Als "Kamelle-Petrus" tat sich so manches Mitglied einer Wagenbesatzung hervor und ließ sich nicht lumpen. Besonders freute das bunt kostümierte närrische Fußvolk am Wegrand sich über die großzügigen Gaben von Prinz Bernhard I., Feten-Biene Käthe Steinke (KG Klinikum) und den Koch der Roten Funken, der das Naschwerk mit seiner Kelle verschleuderte.
Polizei: Nichts passiert
Keine Vorkomnisse meldete Polizei-Einsatzleiter Michael Sahler gestern gegen 17 Uhr aus Wiesdorf. Selbst am Marktplatz, der in den vergangenen Jahren meist Schauplatz für "kleinere Problemchen" gewesen sei, blieb es ruhig. "Da haben uns die kalten Temperaturen wohl auch etwas geholfen", sagte Sahler.
Der Brings-Hit "Superjeilezick" und das Zoch-Motto "Sick 100 Johr mir Jecke durch die Stroße trecke" standen Pate bei der Kostümierung einiger Mottowagen-Besatzungen und etlicher Fußgruppen. Auf historische Kostüme setzten unter anderem "Die Jecken Wiesdorfer", "Fidelio Manfort" und "Die hübschen Grazien vum Aldermaat", die von der Gesellschaft "Rhingdörp Alaaf" ins Rennen geschickt wurden. Die nahm sich angesichts der bevorstehenden Öffnung der Schiffsbrücke Wuppermündung deren Vorgänger an.
Die Fußgruppe punktete als Wupperschiffe. Und der Wagen als Brücke samt wackeligem Steg (mit rotem Bayer-Werksfahrrad) plus Werbeschild der einstigen Gaststätte "Zur Wuppermündung, Inhaber Heinrich Gless" inklusive Werbung für die Erzeugnisse der längst geschlossenen Hitdorfer Brauerei. Weiter zurück in die Vergangenheit entführte die KG Grün-Weiß Schlebusch die Nostalgiker unter den Jecken. Sie ergänzte das Motto um einige weitere Nullen – und brachte Adam und Eva ins Spiel.
Panik-Orchester an Bord
Die Roten Funken, die in dieser Session ihr 100-jähriges Bestehen feiern, fuhren dementsprechend reichlich Historie auf. Eine Kutsche gab's zu sehen und einen historischen Laster der Firma Niesen (mit Panik-Orchester an Bord). Besonderes Prunkstück war die Litfass-Säule mit Plakaten aus längst vergangenen Funkentagen. In der "festlich geschmückten Narrenburg Menrath" an der Wiesdorfer Hauptstraße wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. Andere Plakate kündeten von Funkenbällen und Veranstaltungen zur "Alt-Weiberfastnacht".
Andere Gesellschaften erinnerten ebenfalls an Jubiläen: die KG Klinikum (22 Jahre Präsidentschaft von Käthe Steinke, 50 Jahre KGK), die Karnevalsfreunde Manfort (80 Jahre), die Jecken Schützen (22 Jahre) und die jecke Besatzung des EVL-Wagens (25 Jahre "op jöck im Karneval").
So feiern die Jecken in der Region: Alles zum Karneval finden Sie in unserem großen Special.
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