Leverkusen: 16-Jähriger mit vier Promille auf Intensivstation
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Leverkusen (RP). Aus dem Negativen noch das Positive sehen – Professor Peter Groneck, Leiter der Kinderklinik am Klinikum, kann das. "Insgesamt mussten wir an den vergangenen Karnevalstagen weniger Jugendliche wegen zu intensiven Alkoholkonsums stationär aufnehmen – deutlich weniger."
28 Jugendliche blieben für etliche Stunden oder eine Nacht auf Station. "Im vergangenen Jahr waren es um die 70", berichtet Groneck. "Diese Entwicklung ist positiv zu sehen. Ob das auch mit dem Glasverbot in Schlebusch zusammenhängt, kann ich aber nicht einschätzen."
Junge Alkoholpatienten
Fakt ist, dass die meisten jungen "Alkoholpatienten" sich auf Weiberfastnacht und den folgenden Freitag fokussiert haben, sagt Groneck. Er und sein Team hatten gedacht, es geht erst am Wochenende mit den Umzügen in Schlebusch und Wiesdorf richtig los.
Auch wenn allgemein die Anzahl der (zu) stark alkoholisierten Jugendlichen zurückgeht, die Intensität des Alkoholkonsums tut das offenbar nicht. "Bei einem 16-Jährigen, der zu uns kam, stellten wir 4,0 Promille fest", berichtet Groneck. "Der Junge musste auf die Intensivstation." Dass dieser hohe Alkoholgehalt im Blut lebensgefährlich sein kann, zeigte im Oktober noch das Beispiel der britischen Sängerin Amy Winehouse. Die 27-Jährige starb an einer Alkoholvergiftung – mit 4,16 Promille.
Den Eltern des 16-Jährigen haben das Team der Kinderklinik und Ingrid Baare von der Abteilung präventiver Kinder- und Jugendschutz des städtischen Jugendamtes neben einem Elternbrief (Groneck: "Das ist ein erster Hinweis, dass es sich bei übermäßigem Alkoholkonsum nicht um ein Kavaliersdelikt handelt") auch "eine dringende Beratungsempfehlung bei der Suchthilfe" mit nach Hause gegeben. Klinikum, Jugendamt und Suchtberatung kooperierten in diesem Jahr erstmals.
Ingrid Baare führte mit den stationär aufgenommenen Jugendlichen und ihren Eltern kurz vor der Entlassung Gespräche. "Dabei ging es nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern um pädagogische Unterstützung", betont Baare. "Die Kids waren ohnehin peinlich berührt. Es ist eben auch nicht schön, mit Pampers im Krankenhaus aufzuwachen." Baares Beobachtung: "In den meisten Fällen waren die Jugendlichen einsichtig."
In dem Brief für die Eltern seien auch die Kontaktdaten zur Suchthilfe und zum Jugendamt notiert. "Viele Eltern waren schockiert", ergänzt Groneck aus seinen Beobachtungen. "Es gab aber auch etliche, die das Ganze sehr locker nahmen."
Ausrutscher ist eine Gefahr
Die jüngsten Alkoholopfer an den Karnevalstagen waren Mädchen – zwei 13- und zwei 14-Jährige. "Bei den Jüngsten stellten wir einen Promillewert von 2,3 fest", berichtet Groneck. Er betont: "Die Jugendlichen tragen von diesem einmaligen Ausrutscher wohl keine körperlichen Folgen davon, aber es besteht immer die Gefahr, dass sich das wiederholt."
Baare lobt die gelungene Kooperation mit dem Klinikum. Chefarzt Groneck wünscht sich, dass das Problem des übergroßen Alkohol-Zuspruchs von Jugendlichen "in den Griff zu kriegen ist. Dass die Zahlen nun allgemein zurückgehen, lässt hoffen."
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