Leverkusen: Abhilfe gegen Geisterfahrten
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Leverkusen (RPO). In Österreich werden Nagelbänder und Warnschilder an Autobahnanschlussstellen getestet. Hierzulande sei das kaum möglich, sagt die Polizei, wegen der Autobahndichte. Verkehrsteilnehmer sollen Verantwortung übernehmen.
Die Geisterfahrt am Dienstagabend auf der A3 zwischen Köln-Mülheim und Leverkusen endete tödlich – für den 21-jährigen Falschfahrer aus Waltrop und einen 41-jährigen Mann aus dem Kreis Betzdorf in Rheinland-Pfalz. Eine der wenigen Geisterfahrten mit schrecklichem Ausgang, wie Polizeidirektor Werner Goertz, Leiter der Autobahnpolizei Köln, sagt. "Wir haben in jedem Jahr 150 Falschfahrermeldungen, das heißt, so gut wie jeden zweiten Tag eine. Die meisten davon können wir nicht verifizieren."
Heißt: Oft rufen Verkehrsteilnehmer von der Autobahn an, die auf der entgegengesetzten Fahrbahn einen Geisterfahrer gesehen haben wollen. "In Wirklichkeit war es oft nur ein Auto, das sich bei einem Unfall gedreht hat und entgegen der Fahrtrichtung auf der Bahn liegen geblieben ist", berichtet Goertz. Dass das Thema Falschfahrerprävention in den Tagen nach dem Unglück auf der A3 so hochkochte, kann er nachvollziehen, stellt aber auch fest: "Wir hatten 2007 und 2008 jeweils nur einen Geisterfahrerunfall mit tödlichem Ausgang."
Nagelbänder nicht realisierbar
Von einer Übertragung des österreichischen Modellversuchs mit so genannten Geisterfahrer-Krallen auf den Abfahrten hält er nichts. "Das deutsche Autobahnnetz ist viel zu dicht, das lässt sich technisch gar nicht realisieren. Allein um den Kölner Ring haben wir sieben Autobahnkreuze oder -dreiecke auf 40 Kilometern mit all ihren Auf- und Abfahrten. Zudem: "Fast täglich müssen wir als Polizei, aber auch Rettungskräfte zu Unfällen auf der Autobahn entgegengesetzt auffahren. Wollten wir ein System mit Nagelbändern einführen, müssten wir in die Technik, die die Nägel für Rettungsaktionen einklappt, Millionenbeträge in die Hand nehmen. Da stimmt dann die Relation zur Anzahl der tatsächlichen Geisterfahrer-Unfälle nicht."
Und: Fährt jemand in falscher Richtung über die Krallen, werden die Autoreifen zerstochen. "Dann liegt der Wagen mitten auf der Fahrbahn und behindert andere. Das kann es nicht sein." Könnten noch mehr Schilder helfen? Goertz wehrt ab: "Wir haben die ,Sparbüchse', das rote Schild mit dem weißen Schlitz, dafür. Noch mehr Schilder verwirren nur noch mehr."
Die Schutz vor dem falschen Auffahren beginnt beim Verkehrsteilnehmer selbst, sagt Goertz. Es gilt: Augen auf im Straßenverkehr und keine unüberlegten Aktionen. "Wer von einem Rastplatz fährt und merkt, er hat die Thermoskanne vergessen, darf eben nicht einfach wenden und hundert Meter zurückfahren, wie es oft vorkommt."
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