Rheindorf: Ärger wegen Katzen und Ratten
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Rheindorf (RPO). Die ältere Dame ist ohne Zweifel tierlieb. Ehrenamtlich und zu einem guten Teil auch auf eigene Kosten füttert sie in Rheindorf verwilderte Hauskatzen. Jetzt beschäftigte sich die Bezirksvertretung für den Stadtbezirk I mit dem Wirken der Frau. Doch dabei ging es keineswegs darum, ihr einen Dank auszusprechen für ihr großes Engagement – im Gegenteil. Die Bürgerliste hat einen Antrag gestellt, der Frau die Fütterung zu verbieten. Der Vorwurf: Mit dem Futter locke sie Ratten an.
Tierschutzverein im Spiel
„Das ist doch alles Käse“, wandte CDU-Mann Hermann Josef Kentrup ein. Doch entgegen seiner Absicht konnte er damit der Diskussion kein Ende machen. Denn neben Bürgerlisten-Chef Erhard Schoofs und seinen Getreuen berichtete auch Kentrups Fraktionskollege Andreas Eckloff von der Rattenplage im Stadtteil. Und auch er war der Meinung, dass die Katzenfütterung dafür verantwortlich ist. „Was diese Dame verteilt, das schnappen sich die Ratten“, waren sich die Befürworter eines Verbotes einig.
Schoofs, der früher als Lehrer an der Käthe-Kollwitz-Schule gearbeitet hat, schilderte, wie er und seine Schüler vom Klassenzimmer aus Ratten beobachtet hatten. Da sich an der Deichtorstraße auch eine der Futterstellen befindet, ist für ihn der Zusammenhang damit klar. Ins Spiel kam in der Diskussion auch der Tierschutzverein Leverkusen. Der, davon war zumindest die Stadtverwaltung überzeugt, soll der Auftraggeber der Frau gewesen sein. Dem widerspricht der Vorsitzende Gerd Kortschlag jedoch. „Wir unterstützen die Dame nur, indem wir ihr etwas von den bei uns abgegebenen Futterspenden geben“, sagte er auf Anfrage der Rheinischen Post. Das geschehe keineswegs im Auftrag.
Gleichwohl hält er ein Futterverbot für durchaus falsch. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die wild lebenden Hauskatzen dann leiden würden. Nur von der Maus, die sie auf dem Feld fangen, können sie nicht leben“, betonte er. Einen weiteren Vorteil der Fütterung sieht er in den festen Stellen, zu denen die Katzen kommen. Denn an denen fängt der Tierschutzverein regelmäßig Tiere, registriert, sterilisiert und kastriert sie. „So haben wir die Population einigermaßen im Griff“, meinte er. Ohne feste Anlaufpunkte sei es nahezu unmöglich, auf diesen Faktor Einfluss zu nehmen. Das sind Punkte, die die Verwaltung durchaus beachten muss bei ihrer Entscheidung. Sie soll prüfen, ob es möglich ist, der Frau die von städtischer Seite erteilte Erlaubnis zum Katzenfüttern zu entziehen. Das forderte die Mehrheit der Bezirksvertretung.
Bündnis 90/Die Grünen nannten den Antrag in einer Stellungsnahme unsäglich. „Wenn in Rheindorf vermehrt Ratten auftreten, ist dies in erster Linie auf den Müll zurück zu führen“, heißt es in dem Schreiben. Schoofs und Konsorten sollten sich erst einmal mit Tierschutz befassen, ehe sie solche Anträge zur Abstimmung stellten.
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