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Steinbüchel: AGL will Derr-Siedlung erobern

VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 05.01.2009

Steinbüchel (RPO). Noch aber beißen Reinhard Buchhorn und seine Mitarbeiter bei den 300 Hartz-IV-Kunden in dem Wohnungs-Block auf Granit. Zum ersten Info-Termin erschienen nur vier Interessenten. Neuer Termin: 8. Januar.

Reinhard Buchhorn stellte sich als Oberbürgermeisterkandidat der CDU auf dem Wochenmarkt in Rheindorf den Fragen der Bürger.  Foto: RPO
Reinhard Buchhorn stellte sich als Oberbürgermeisterkandidat der CDU auf dem Wochenmarkt in Rheindorf den Fragen der Bürger. Foto: RPO

Die einen nennen das Wohnquartier „Derr-Siedlung“ und meinen damit das „Chorweiler“ von Leverkusen. Die anderen bezeichnen den Hochhaus-Komplex zwischen Fichtestraße und Albert-Schweitzer-Straße als „Wohnpark Steinbüchel“ und beschreiben den Bereich als Wohnhäuser in ländlicher Umgebung, stadtnah, mit relativ günstigen Mieten und teils herrlichem Blick auf grüne Landschaften. Beides trifft zu. Die 1973 bezogene Derr-Siedlung markiert in Leverkusen aber eine Besonderheit: In dem 300-Wohnungen-Block liegt die Arbeitslosigkeit bei 24 Prozent. Die nackte Statistikzahl steht für 300 Langzeitarbeitslose.

Die hohe Zahl von Menschen ohne Beschäftigung wird sonst nirgends in der Stadt erreicht. Selbst in Problemvierteln von Wiesdorf und Rheindorf nicht. Deshalb startete die Leverkusener Hartz IV-Behörde (Arbeitsgemeinschaft Leverkusen, AGL) ein bemerkenswertes Experiment: Statt die Hartz IV-Kunden ins Amt nach Wiesdorf zu bestellen, hielten AGL-Geschäftsführer Reinhard Buchhorn und eine Mitarbeiterin in der Derr-Siedlung eine Sprechstunde ab. „Wir wollten unsere Kunden da aufsuchen, wo sie leben“, erklärt Buchhorn die neue Maßnahme seiner Behörde. So falle schon ein Hindernis, die Fahrt nach Wiesdorf, weg. Vor allem Alleinerziehenden werde so Stress erspart.

Info

2009 wird hart

Reinhard Buchhorn leitet seit 2005 die Arbeitsgemeinschaft Leverkusen. Im Oktober lag in Leverkusen die Zahl der Hartz IV-Empfänger bei 13 900 Personen. Für 2009 rechnet Buchhorn mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Neben den Autozulieferfirmen werden nach Buchhorns Einschätzung der Einzelhandel und Dienstleistungsbereich (viele Zeitarbeiter und Mini-Job-Beschäftigte) stark von der Wirtschaftskrise betroffen sein, berichtete die CDU-Fraktion in einer Informationsbroschüre. CDU-Mitglied Buchhorn tritt als Oberbürgermeister-Kandidat zur Kommunalwahl an.

Ab sofort auch Einzelberatungen

Vorher bekamen die Kunden der AGL eine schriftliche Einladung. Zum Auftakt wollte Buchhorn zunächst nur in einem zehnminütigen Vortrag über den Arbeitsmarkt und Integrationschancen informieren, bevor es ab Januar Einzelberatungen geben soll – auch vor Ort in der Derr-Siedlung.

Buchhorn wusste, dass es keine einfache Aufgabe war. Als zur Info-Veranstaltung aber lediglich vier Leute kamen, die dazu noch nicht einmal zu den AGL-Kunden gehörten, kommentierte Buchhorn gegenüber unserer Zeitung: „Es war einfach niederschmetternd.“ Mit 15 bis 20 Interessenten hatte er schon gerechnet, zumal persönliche Beratung möglich gewesen wäre.

Doch die AGL-Vertreter wollen nicht so schnell aufgeben. Für Donnerstag, 8. Januar, ist das nächste von insgesamt sechs Treffen geplant. Wieder wird es vorher Flugblätter und Einladungen in den Briefkästen der 300 Kunden der Hartz IV-Behörde (Gemeinschaftsprojekt der Stadt Leverkusen und der Arbeitsagentur) geben. Vier Arbeitslose sollen gezielt zum Gespräch eingeladen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt rangieren die Angebote des AGL-Teams auf der freiwilligen Basis. Reagiert immer noch niemand, dann gehen Buchhorn und seine Mitarbeiter von Tür zu Tür und klingeln an den Wohnungen der Arbeitslosen.

Dicke Bretter bohren

Zeigt auch diese letzte Stufe keine Wirkung, wird es wieder amtlich streng: Die Arbeitslosen der Derr-Siedlung werden wie gewohnt zur AGL-Zentrale am Busbahnhof Wiesdorf bestellt. Wer die Termine ignoriert, muss im Zweifelsfall mit harten Strafen rechnen.

AGL-Chef Buchhorn will das Experiment „Die AGL vor Ort“ ausweiten auf weitere Problemviertel wie Teile von Rheindorf. „Es ist ein Bohren dicker Bretter“, sagt Buchhorn.

Quelle: RP