Leverkusen: Als Außenseiter im Rennen
VON UDO TEIFEL - zuletzt aktualisiert: 22.09.2009Leverkusen (RPO). Zum zweiten Mal tritt Sozialdemokrat Lasse Pütz gegen Wolfgang Bosbach (CDU) an. Er glaubt an seine Chance und setzt darauf, als lachender Dritter in Berlin einzuziehen. Berufspolitiker ist nicht sein Ziel.
LEICHLINGEN/RHEIN-BERG "Eigentlich", meint Lasse Pütz und blickt sich um, "könnte ich mir mal vorstellen, so einen Raum als Loft umzubauen und dort zu leben." Pütz sitzt im "Café Vierjahreszeiten" in Wermelskirchen und genießt beim Cappuccino das historische Gemäuer. "Das hat schon was." Doch derzeit kreisen die Gedanken des Bergisch Gladbachers weniger um Familienplanung. Wahlkampf ist angesagt. Seit Ende der Sommerferien vergeht kein Tag, kein Wochenende, wo er nicht unterwegs ist. 18 bis 20-Stunden-Tage sind in diesen Wochen der heißen Phase keine Seltenheit. Doch er macht's gern. "Irgendwie bin ich ein Parteisoldat, der sich über jede Stimme freut."
Urlaub für die heiße Phase
Lasse Pütz nimmt den zweiten Anlauf, um für die SPD in den Bundestag zu kommen. Zum zweiten Mal tritt er gegen das Politschwergewicht Wolfgang Bosbach an. Er ackert, hat sich für die heiße Phase Urlaub genommen. "Ich mache das ehrenamtlich, habe keinen Parteiapparat, wie ihn die Berufspolitiker Bosbach oder Lindner hinter sich haben." 60 bis 70 E-Mails, die ihn täglich erreichen, bearbeitet er selbst. Da wird die Zeit schon mal knapp für die Lebensgefährtin.
Lasse Pütz
Lasse Pütz lebt in Bergisch Gladbach. Er ist 27 Jahre alt. 2001 trat er in die SPD ein. Seit 2004 ist er kommunalpolitisch im Stadtrat von Bergisch Gladbach aktiv. In der nächsten Legislaturperiode sitzt er nur noch im Kreistag. 2007 schloss er sein erstes juristisches Staatsexamen ab. Sein Schwerpunkt des Studiums lag beim "Unternehmensrecht". Seit 2008 ist er Promotionsstudent und als Rechtsreferendar tätig. Beim Radfahren, Joggen und Inline-Skaten schaltet er in seiner Freizeit ab. Er kocht gern für die Freundin und gute Freunde und schätzt gesellige Treffen mit Freunden.
Bisher hat die SPD im Rheinisch-Bergischen Kreis immer gegen die CDU verloren: Viermal schon Dr. Wilhelm, später dreimal Zorn, 2005 dann Lasse Pütz. Er sieht sich aber nicht als Zählkandidat. "Wir haben die besseren Antworten auf viele Fragen", sagt er politisch-keck. Er sieht eine Chance. Denn: "Im Kreis kann kein CDU-Kandidat mehr sicher sein." Es gebe nicht mehr die Blöcke wie früher – das Wählerverhalten habe sich geändert. "Und jetzt kandidiert Christian Lindner. Er wird bestimmt Wolfgang Bosbach und der CDU im Nordkreis viele Stimmen wegnehmen." Und dann lacht er jungenhaft-verschmitzt: "Ich möchte dann der lachende Dritte sein."
Berufspolitiker ist nicht sein Ziel. Deshalb will er unbedingt seine Berufsausbildung als Jurist abschließen. "Nur so kann ich unabhängig bleiben." Er würde sich natürlich freuen, wenn's mit Berlin klappen würde – "aber enttäuscht wäre ich auch nicht".
Klar ist: Pütz will mitgestalten. "Auf Bundesebene geht das besser als auf Kommunalebene." Nur dort könnten Zukunftsfragen bewegt werden. Und: Ihm macht's Spaß, mit Menschen in Kontakt zu treten. "Da ist doch jeder Politiker eine Rampensau", sagt er. So hörte er sich jüngst die Nöte der Milchbauern an. Von Angesicht zu Angesicht. "Das waren schon Eindrücke, die mich bewegt haben." Bei all' der großen Politik, die er täglich auf Veranstaltung von Overath bis Wermelskirchen vertritt, will er Lasse Pütz bleiben. Dafür, das weiß er, sorgen seine Familie, vor allem sein sieben Jahre jüngerer Bruder.
Schuhe selbst wegräumen
Und seine Freundin Lena. Die ist bereits als Rechtsanwältin tätig und holt ihn immer wieder auf den Boden zurück. "Das tut mir gut", erzählt er offen. Wenn er heim kommt und seine Schuhe einfach im Raum stehen lässt, bekommt er's schon mal dicke: "Herr Kandidat, Schuhe können Sie selbst wegräumen." Dann weiß er, wo er ist. Und ist glücklich darüber. Denn: Der Politiker dürfe nicht über den Bürgern schweben. Wer die Bodenhaftung verliere, habe verloren.
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