Leverkusen: Alte Herren alaaf!
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 10.02.2009Leverkusen (RPO). Bei der eigenen Karnevalssitzung im Pfarrsaal von St. Maurinus zeigten die Lützenkirchener Kicker fortgeschrittenen Alters ihre Bühnentauglichkeit. Die "Schwaadschnüssjer" bewiesen große Ausdauer.
Oliver Hartl durfte sich privilegiert fühlen. Als einziger Spieler der ersten Fußballmannschaft des SSV Lützenkirchen hatte er die Erlaubnis, die Karnevalssitzung des Alte Herren-Teams im Pfarrsaal von St. Maurinus zu besuchen. Schließlich musste er seinem Vater Jörg – Abteilungsleiter und in dieser Session der Prinz Karneval des Stadtteils – beim Bühnenauftritt als Page beistehen. Doch anschließend wurde er (höflich) heraus gebeten. "Wir haben nichts gegen die erste Mannschaft, ganz im Gegenteil, aber wir alle wünschen ihnen den Aufstieg, und morgen ist ein Spiel, für das sie fit sein müssen", erklärte Norbert Migge, der den Sitzungspräsidenten der inoffiziellen "KG Alte Herren SSV" gab.
Zusammen in der Hölle
Lützenkirchens Prinz Jörg kommt herum. Mit den "Karottenfunken" hatte er vor dem Auftritt im heimischen Lützenkirchen ein Gastspiel gegeben beim Pfarrkarneval im benachbarten Quettingen. Zurück in der Heimat scherzte er anschließend bei der SSV-Sitzung: "Wir waren eben zusammen in der Hölle, in Quettingen".
Doppelte Tanz-Konkurrenz
Die schneidet im Vergleich zu manch eingetragenem Karnevalsverein hervorragend ab, kann sie doch bei ihrer wichtigsten Veranstaltung des Jahres auf einen großen Fundus eigener Kräfte zählen. Jörg Hartl als amtierender Prinz mit Mottosong ("Jung aus dem Levve") gehört ebenso zum SSV wie eine ganze Reihe der Tänzer bei der ihn begleitenden Lützenkirchener Ehrengarde "Die Flotten Karotten". Die liebevoll "Karottenfunken" betitelte Gruppe bekam gleich doppelt tänzerische Konkurrenz aus dem Verein.
Die "Beat-Teens" punkteten durch Anmut – das "AH-Ballett" durch einen Mangel daran. Im weißen Tütü fegten die Alte Herren-Kicker Werner Mollenhauer, Willi Herweg, Frank Kaumanns und Frank Streiter zu den Klängen von Schwanensee über die Bühne – das Publikum johlte. Auch über einen eigenen Büttenredner und eine Musikgruppe verfügen die in die Jahre gekommenen Kicker. Als "der geile Giesi" beschäftigte sich Gisbert Schießl humorvoll mit seiner Umgebung und....
Die größte Ausdauer bewies das Quintett "Schwaadschnüssjer". "Der Name der Gruppe kommt daher, weil diese Herren sonntags bei den Spielen der ersten Mannschaft meist darüber schwaden, was sie besser können", verriet Migge. Musikalisch überzeugten die "Schwaadschnüssjer". Andreas Wenk spielte Dudelsack, und Ecki Roos, Thomas Sprottem Dirk Steigenberger und Michael Hoechst ließen dazu ihre Stimmen erklingen. Erst nach anderthalb Stunden und einer ganzen Reihe von Zugaben ließ das Publikum die erschöpften Musiker von der Bühne.
Genutzt hat das Feierverbot für die erste Mannschaft übrigens nicht. Sie verlor als Spitzenreiter gegen ein Team aus dem unteren Tabellendrittel. Vielleicht dürfen die Spieler ja nun im nächsten Jahr mitfeiern. Zu gönnen wäre es ihnen.
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