Bergisch neukirchen: Angepasste Edeka-Planung
VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 15.07.2011Bergisch neukirchen (RP). Investor und Architekten des geplanten Edeka-Marktes an der Wuppertalstraße verteidigten gestern ihr Konzept. Die Argumentation der Kritiker sei irreführend. Die neuesten Pläne gehen auf manche Bedenken ein.
Seit Monaten feuert die Bürgerinitiative "Wir für Bergisch Neukirchen" gegen den Neubau eines Edeka-Marktes an der Wuppertalstraße – jetzt holten Investor und Architekten-Team zum Gegenschlag aus. Bei einer Pressekonferenz warben sie gestern für das Projekt und sparten nicht an Kritik an den Argumenten der Gegenseite. "Da wird versucht, das Projekt insgesamt kaputtzumachen", klagte Klaus Pässler vom Architekten- und Stadtplanungsbüro "Pässler, Sundermann + Partner".
Schon die Fragestellung, mit der die Initiative Unterschriften sammelt, sei irreführend. "Da wird suggeriert, wir wollten einen großen Supermarkt wie den an der Pommernstraße bauen, der knapp 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat", sagte Pässler. In Bergisch Neukirchen seien aber nur 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen.
Die Planung
Standort Wuppertalstraße, auf der Freifläche gegenüber des bisherigen Edeka-Marktes.
Verkaufsfläche Der neue Markt soll 1200 Quadratmeter umfassen.
Wohnfläche Über dem Markt sollen 1000 bis 1200 Quadratmeter Wohnfläche entstehen.
Parkplätze Neben dem Neubau sollen 40 bis 50 Stellplätze entstehen. Die Planer erhoffen sich davon eine Entlastung der Parksituation an der Sparkasse.
Investition circa 6 Millionen Euro.
Und die seien dringend nötig, um ein modernes kundenfreundliches Einkaufserlebnis zu schaffen. "Das Sortiment ist größer, die Regale niedriger, die Flure breiter", zählte Pässler auf. "Edeka sagt uns ganz klar, in den alten Räumen werden sie nicht länger bleiben", betonte Arnold Adams von der investierenden Firma Peters, der auch der bisherige Markt gegenüber gehört.
Zudem präsentierte das Team neue Pläne, die den Bedenken der Kritiker in mancher Hinsicht zumindest ein Stück entgegenkommen: Eins von vier "Wohnhäusern", die ursprünglich über dem Supermarkt geplant waren, ist verschwunden. "Die Wohnfläche hat sich damit um 600 Quadratmeter reduziert", erläuterte Adams.
Offener, grüner, kleiner
Außerdem habe man die Fassaden aufgebrochen, sagte Stadtplaner Clemens von Dryander: Zur Straße hin gebe es keine durchgängige Fassade mehr, sondern einen breiten Freiraum, der auf eine Art Innenhof führt (siehe Grafik). Das Gebäude grenze auch nicht mehr direkt an die Straße, dort sei vielmehr Platz für eine Außengastronomie vorgesehen. Weiterhin ist eine stärkere Begrünung geplant. Durch die Hanglage sei ein Großteil des Supermarkt-Gebäudes überhaupt nicht zu sehen, argumentierte Klaus Pässler: "Ich kenne sonst in der Umgebung keine Lösung, wo der Markt so gut versteckt wird", sagte er.
Der höchste Dachfirst liege sogar tiefer als der des bisherigen Marktes, und die Form des Daches orientiere sich an den ortsüblichen Fachwerkhäusern. Die Kritiker hatten bemängelt, der Markt zerstöre den dörflichen Charakter des Ortes.
Die Sorge der Bebauungsgegner um eine Blockade der Frischluftzufuhr nach Opladen sehen Arnold Adams und seine Mitstreiter als unbegründet an. Sie präsentierten eine stadtklimatische Untersuchung der Uni Bonn aus dem Jahr 2000. In dem Papier tauche im Bereich des geplanten Marktes überhaupt keine sogenannte Ventilationsbahn auf, nordöstlich davon befinde sich sogar ein Strömungshindernis, das die Luftzirkulation ohnehin unterbreche. Auch artenschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht – das hatte kürzlich auch der Naturschutzbund Nabu bestätigt, sich aber dennoch gegen das Projekt ausgesprochen.
"Da wird polarisiert. Viele Leute in Bergisch Neukirchen verstehen die Aufregung gar nicht", befand Klaus Pässler, der selbst in dem hochgelegenen Stadtteil wohnt. Wirkliche Sorgen um ihr Projekt machen sich Investor und Planer nach eigenen Angaben jedoch nicht: Immerhin stehe die Ratsmehrheit bislang klar hinter dem Vorhaben.
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