Leverkusen: Anlieger kommen ans Zahlen
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 05.06.2008Leverkusen (RPO). Nach den Hauptstraßen will die Stadt fast 200 Nebenstraßen sanieren. Je nach Standard müssen die Grundstückseigner bis zu 90 Prozent der Straßenbaukosten bezahlen. Das können fünfstellige Summen werden.
Der Bus ruckelte, wackelte und schüttelte die Insassen ein wenig durch. Schon das war ein Beleg dafür, dass die Straße nicht im besten Zustand ist. „Dieser Bereich wurde nie ausgebaut“, kommentierte denn auch Reinhard Gerlich, Leiter der Technischen Betriebe (TBL). Die Anwohner der Strecke Am Scherfenbrand erreichen ihre Häuser nach wie vor über eine Baustraße. Das soll sich ändern laut der Fortschreibung des Straßenbauinstandsetzungskonzepts. Demnach würden die letzten 552 Meter, bevor die Straße nach rechts Richtung Bensberger Straße abknickt, voll ausgebaut. In diesem Fall müssten die Anlieger 90 Prozent der Baukosten tragen, die – legt man die Faustregel: 100 Euro pro Quadratmeter zugrunde – bei fast 300 000 Euro liegen dürften.
Willy-Brandt-Ring
Der Zeitplander weiteren Instandsetzung des Willy-Brandt-Rings:
August bis Oktober 2008 Karl-Carstens-Ring bis Hornpottweg; Kosten: 330 000 Euro
zweite Jahreshälfte 2009 Hornpottweg bis Moosweg (980 000 Euro) und Moosweg bis A 3 (680 000 Euro)
2010 A 3 bis Friedrich-Ebert-Straße; vier Millionen Euro
Anlieger zahlen bis zu 90 Prozent
Solche Erkenntnisse übermittelte Gerlich im Rahmen einer Stadtrundfahrt mit rund zwei Dutzend Politikern. Bevor das zweite Instandsetzungskonzept den Weg durch die politischen Instanzen (Bezirke, Finanzausschuss, Rat) antritt, bekamen sie vom TBL-Chef einen kleinen Vorgeschmack, wo in der Stadt wie tief gegraben werden muss. Fast 300 Posten umfasst in der Vorlage die Aufstellung der Maßnahmen, mit denen von 2009 bis 2013 das Straßennetz auf Vordermann gebracht werden soll.
Dabei gilt: Wird nur die Oberfläche saniert, bleiben Anwohner finanziell gänzlich verschont. Wird auch der Unterbau einer Straße erneuert, müssen Bürger die Hälfte der Baukosten tragen, gibt es eine komplett neue Straße, droht eine 90-prozentige Beteiligung. Bezüglich der Abschnitts am Scherfenbrand bemerkte SPD-Bezirksvertreter Günter Nahl, dass sich Anwohner in der Vergangenheit schon mehrfach gegen einen Ausbau ausgesprochen hatten. Allerdings setzte Gerlich dem entgegen, dass der „katastrophale Zustand“ der Straße die Arbeiten nötig machte. Unausgebaute Strecken gibt es in der Stadt noch weitere. Die TBL wurde nach der Busfahrt vom Verwaltungsrat beauftragt, eine Liste mit sämtlichen Straßen dieser Art zu erstellen. Wie viele nicht-ausgebaute Abschnitte es in Leverkusen gibt, bezifferte Gerlich nicht. Ein weiteres Beispiel sei aber ein Abschnitt der Ringstraße in Hitdorf.
Umfang der Sanierungen ungewiss
Im Rahmen der politischen Rundreise war der Scherfenbrand der einzige Fall, in dem ein Vollausbau nötig sein würde. Bei den für die Fahrt von der TBL ausgewählten Beispielen drohen etwa Anwohnern der Felix-von-Roll-, der Dresdener oder der Hindenburgstraße 50-prozentige Beteiligungen an den Kosten.
Allerdings, verdeutlichte Gerlich, zeige sich häufig erst während der Arbeiten, wie umfangreich eine Sanierung tatsächlich sein muss. Sprich: Es stelle sich dann erst heraus, wie tief die Arbeiter buddeln und die Anwohner in die Tasche greifen müssen.
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