Leverkusen: Ansturm auf Winterreifen
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 21.10.2010Leverkusen (RPO). Spätestens seit der Wettervorhersage, dass in den nächsten Tagen ab 400 Meter Schnee fallen kann, sind die Leverkusener nervös und stürmen die Werkstätten der Reifenhändler. Die sind zum Teil schon ausgebucht.
Beim "Premio Reifen-Service" auf der Kölner Straße steht das Telefon nicht mehr still. "Die Leute werden nervös", sagt Niederlassungsleiter Stefan Klever (39). "Für die nächsten Tage wurde Schneefall ab 400 bis 500 Meter vorhergesagt – spätestens ab Bekanntwerden solcher Prognosen geht bei uns nichts mehr."
"Nichts mehr" bedeutet, dass man kaum noch einen Termin bekommt. Der Reifenfachmann: "Im Grunde sind wir schon seit zwei Wochen extrem gut ausgelastet." Trotz steigender Energiepreise, Weltwirtschaftskrise & Co: Am Reifen ihres Autos sparen die Leverkusener nicht. "Die Tendenz geht ganz klar zum Hochwertigen", sagt Klever.
Winterreifenpflicht?
Am 5. November gilt's – dann entscheidet der Bundesrat, ob die von den Verkehrsministern von Bund und Ländern geforderte Einführung der Winterreifenpflicht beschlossen wird. Bislang müssen Autos laut Straßenverkehrsordnung "den Wetterverhältnissen gemäß ausgerüstet" sein. Fährt jemand bei Schnee mit Sommerreifen und gefährdet oder behindert dadurch andere, drohen Bußgelder von 20 bis 40 Euro und ein Punkt in Flensburg.
"Für unsere Kunden sind die Test-Ergebnisse von Stiftung Warentest und ADAC sowas wie die Bibel." Und da wurde vor allem einer gut getestet: der "Goodyear UltraGrip". Der ist dementsprechend auch der Reifen-Renner 2010, kostet inklusive Montage beim "Premio Reifen-Service" 83 Euro ( Reifengröße 195/65/R15). Klever hat auch noch genügend der Testsieger auf Lager. Aber auch eine Bitte: "Rufen Sie vorher an, machen Sie einen Termin. Einfach vorbeikommen bringt nichts."
Am Reifen wird nicht gepart
Das sagt auch Denise Poen. Die Auszubildende bei "Reifen Becker (Quarzstraße 11) merkt täglich mehr, dass die Leverkusener sich auf Winter einstellen. "In der letzten Woche hat es angefangen, in dieser ist es richtig heftig", sagt die 20-Jährige. "Die Leute wollen nicht warten, sie wollen am liebsten jetzt und sofort vorbeikommen. Viele gehen davon aus, dass es schon am Wochenende zu einem Wintereinbruch mit Schneefall kommt." Und auch Poen sagt: "An Reifen wird nicht gespart. Vor allem nicht im Winter. Das ist auch vernünftig"
Sebastian Pratt, Innendienstleiter bei "Vergölst" (Düsseldorfer Straße 183) kann sich ebenfalls vor Anfragen kaum retten. 1700 Reifen-Sätze ihrer Kunden hat die Firma eingelagert, die Belegschaft wurde fürs Wintergeschäft extra aufgestockt. Zwölf Mann arbeiten jetzt in der Werkstatt, sechs im Büro. Alle 15 Minuten wird ein Auto neu bereift, 110 Wagen schaffen die Vergölst-Mitarbeiter so pro Tag.
In dieser Woche allerdings sind alle Termine längst vergeben. Und der 29-Jährige rechnet im Laufe des Winters mit einem Reifenengpass. "Wir gehen davon aus, dass während des Winters nicht mehr alle Marken und Profile in jeder Größe verfügbar sein werden", sagt er. Der Grund: "Die Hersteller haben ihre Produktion während der Krise zurückgefahren, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Jetzt kommen sie nicht mehr hinterher."
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