Leverkusen: Archivare über Köln schockiert
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 05.03.2009Leverkusen (RPO). Leverkusens Archivare sind erschüttert über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Die Sicherheitsvorkehrungen von Bayer- und Stadtarchiv sowie der Sammlung des Museum Morsbroich fallen unterschiedlich aus.
Es war ein düsterer Tag für Archivare. "Auch als ich die ersten Bilder sah, konnte ich es nicht glauben. Ein Alptraum", sagt die Leiterin des Leverkusener Stadtarchivs Gabriele John. "Ein schlimmer Tag für die gesamte Archiv-Familie", findet Jan Schüttler von Bayer Business Services, die das Bayer-Archiv betreuen. Dr. Markus Heinzelmann ging der Einsturz des Historischen Kölner Stadtarchivs persönlich ("Ich kenne einige Kollegen dort und hoffe, es geht allen gut") und beruflich ("eine absolute Katastrophe") unter die Haut.
Fehlalarm: "eine gute Erfahrung"
Gegen einen solchen Einsturz sind auch die Archive von John, Schüttler und Heinzelmann nicht gewappnet. Heinzelmann sieht in einem Erdbeben die einzige Gefahr für die Kunstschätze, die das Museum auf vier Depots verteilt. Die Sicherungen gegen Brände, Einbrüche, Diebstahl seien auf neuestem Stand. "Ich habe am Dienstag nochmal über unsere Vorkehrungen nachgedacht", sagt Heinzelmann. Verbesserungsmöglichkeiten seien ihm keine eingefallen. Ruhiger schlafen lässt Heinzelmann auch ein Fehlalarm im Jahr 2007: Kunstnebel war Teil einer Ausstellung und "kroch" durchs Heizungssystem in Rauchmelder in benachbarten Räumen. "Das war eine gute Erfahrung", sagt Heinzelmann mit Blick auf die Schnelligkeit der Feuerwehr: "Wir wissen jetzt, dass die Abläufe funktionieren."
Im Bayer-Unternehmensarchiv steht der Brandschutz im Mittelpunkt. Zerstörungen durch Wasser oder Erdbeben sind laut Schüttler zu unwahrscheinlich als dass umfassende Vorkehrungen zu treffen wären. Durch die Lage im Chempark sei das Archiv gut gegen Einbrecher geschützt. Der Anschluss ans Brandmeldesystem garantiere eine rasche Alarmierung der Werksfeuerwehr. "Die größte Gefahr für Dokumente geht aber nicht von Feuer, sondern von Wasser aus. Daher soll die Feuerwehr möglichst auf alternative Löschmethoden zurückgreifen und möglichst wenig Wasser verwenden", sagt Schüttler.
"Eine komplette Sicherheit kann es nicht geben", sagt John vom Stadtarchiv in Opladen. Dessen Bestände lagern in Magazinen unter dem Verwaltungsgebäude an der Miselohestraße, Meldeanlagen registrierten Feuer, Einbrecher und eindringendes Wasser. Große Teile der Bestände wurden seit den 1960ern auf Mikrofilmen gebannt, die getrennt gelagert werden. Die größte Gefahr für die historischen Schätze geht aber vom natürlichen "Verfall" aus. Denn Papier ist nicht so geduldig wie sprichwörtlich behauptet. "Der Restaurierungsbedarf ist groß", sagt John. Wie groß, das soll eine Bestandsaufnahme klären, die bereits erfolgt ist, deren Ergebnis aber noch aussteht.
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