Leverkusen: Armut im Verborgenen
VON HERBERT BONGARTZ - zuletzt aktualisiert: 20.05.2008Leverkusen (RPO). Wenn es nach dem Armutsbericht der Bundesregierung geht, müssten in Leverkusen knapp 21000 Bürger arm sein, in Leichlingen circa 3650. Denn 13 Prozent der Bundesbürger sind laut Statistik arm.
Auch in den Rathäusern der beiden Städte ist bekannt, dass es in der eigenen Stadt arme Menschen gibt. Aber niemand kann konkrete Zahlen nennen.
„Wir haben da keine Erhebungen gemacht“, sagt Leichlingens Bürgermeister Ernst Müller. Ein Mitarbeiter des Sozialamtes schüttelt wegen der Zahlen nur den Kopf. „Ich weiß wirklich nicht, wie die auf 13 Prozent gekommen sind“, erklärt er auf Anfrage der RP. Außerdem müsse man auch mal den Begriff „Armut“ definieren, betont er. Die Bundesregierung geht davon aus, dass jeder, der nicht mehr als 780 Euro im Monat zur Verfügung hat, arm ist.
Zahlen können die Leichlinger hinsichtlich der Hartz IV-Empfänger nennen. „Das sind bei uns zurzeit 992 Bedarfsgemeinschaften“, erklärt der Mitarbeiter des Sozialamtes. Aber die Einheiten seien natürlich völlig unterschiedlich. „Manchmal ist es nur eine Person. Es können aber auch mehrere sein.“
7439 Bedarfsgemeinschaften
Auch Frank Stein, Sozialdezernent der Stadt Leverkusen, kann und will die Zahlen der Bundesregierung nicht bestätigen. „Uns liegen einfach keine für unserer Stadt vor“, betont er. Für den neuen städtischen Sozialbericht würden die Zahlen aber ermittelt. Stein: „Das haben die Fachausschüsse im vergangenen Jahr beschlossen.“
Reinhard Buchhorn wartet mit Zahlen der Hartz IV-Empfänger von Leverkusen auf. „Wir haben insgesamt 7439 Bedarfsgemeinschaften.“ Davon sei die Hälfte – als rund 3700 – Single-Haushalte, so Buchhorn. Ein Alleinstehender bekommt 750 bis 800 Euro – inclusive Wohn- und Energiekosten. Diese Person sein dann arm, erklärt Buchhorn, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Leverkusen (AGL). Die Bundesregierung gehe ja von höchstens 780 Euro aus.
Dass es in Leverkusen Armut gibt, zeigt auch die Zahl der Besucher, die die Suppenküchen der Caritas in Wiesdorf und Opladen aufsuchen. Das sind jeweils immer rund 25 bis 30 Personen, die dort einmal in der Woche hinkommen. Auch der Kleiderladen an der Carl-Leverkus-Straße in Wiesdorf wird häufig frequentiert. Die Caritas musste sogar einen zweiten Laden an der Sandstraße in Opladen eröffnen.
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