Leverkusen: Aufbau einer Ausstellung
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Leverkusen (RPO). Noch eine Woche bleibt bis zur Vorbesichtigung der Ausstellung "Albrecht Schäfer. Ein Tag" im Museum Morsbroich. Aber in den meisten Räumen herrscht noch gähnende Leere. Der Künstler selbst bleibt äußerlich dennoch gelassen, wie er bei einem Rundgang über die Kreativ-Baustelle erläutert.
SCHLEBUSCH Der Mann muss Nerven haben: Noch eine Woche bleibt bis zur Pressevorbesichtigung seiner Ausstellung im Museum Morsbroich, aber in den meisten Räumen herrscht noch gähnende Leere. In anderen türmen sich Dachlatten und anderes Material, das schon mehrfach im Baumarkt nachzukaufen war.
Das mit den ruhigen Nerven täuscht. Das sei nur äußerlich, meint Albrecht Schäfer. Ein wenig Druck verspürt er schon, aber er hat so seine Erfahrungen mit aufwändigen Installationen. Und er hat sich nun mal darauf spezialisiert, seine Arbeiten vor Ort für einen bestimmten Raum zu konzipieren.
Raum soll erst einmal wirken
Andere Kollegen haben es da einfacher. Sie malen ihre Bilder im Atelier fertig und können die Verteilung per Grundrissskizze planen, notfalls alles vom Hausmeister hängen lassen und nur noch bei der Endabnahme kleine Veränderungen vornehmen. Albrecht Schäfer lässt erst einmal den Raum auf sich wirken, bevor er entscheidet, wie er den künstlerisch nutzen will, nicht als Behälter für seine Arbeiten, sondern als Teil dessen. "Das Konzept steht natürlich vorher", erklärt er. Es handele sich ja nicht um freie Improvisation. Aber Erfahrungen mit den Lichtverhältnissen und der Wirkung eines Raumes muss er erst machen, bevor er wirkliche Entscheidungen treffen kann, und dann wird erst gebaut.
Zahlen und Fakten
Die Ausstellung "Albrecht Schäfer. Ein Tag" wird am Sonntag, 7. März, um 12 Uhr eröffnet und ist dann bis zum 9. Mai zu sehen. Bis zur Vernissage ist das Museum Morsbroich wegen der Aufbauarbeiten geschlossen. Der Künstler ist 1967 in Stuttgart geboren und lebt in Berlin. Wie vor einiger Zeit Ann Veronica Janssen wurde auch er eingeladen, um sich aktuell mit dem Ort des neobarocken Wasserschlosses auseinanderzusetzen. www.museum-morsbroich.de
Manchmal baut er sich zusätzlich selbst eine Hürde, wie hier im Falle der Hauptarbeit, die der Ausstellung den Titel "Ein Tag" gab. Die ist zum Glück schon fertig, denn es war sicher das zeitlich aufwändigste Werk, obwohl man schon genau hinsehen muss, um das auch wahrzunehmen.
"Ein Tag" ist konkret der 12. Februar 2010. Albrecht Schäfer kaufte an diesem Tag "Die Welt" und zerschnipselte 16 Zeitungsseiten Zeile für Zeile und schnitt auch Bilder und Überschriften aus. Die Textspalten wurden so zu einem Endlosband zusammengefügt, dass der Besucher mit viel Zeit die komplette Zeitung lesen kann, wenn er links der Eingangstür beginnt und konsequent durch alle Räume läuft.
Der schmale Fries verläuft exakt auf der Höhe von 1,60 Meter, die man bei einer Hängung üblicherweise als Maß für die Bildmitte wählt. Wie eine dicke Leine liegt die Schrift auf der Wand, und an entsprechender Stelle hängen Bilder oder Überschriften wie Fahnen daran. Die Platzierung dieser größeren Elemente hat Kollege Zufall besorgt. Und Albrecht Schäfer lässt sich nun auf diese Vorgabe ein, wenn er seine Installationen in die Räume einfügt.
Eine war am Mittwoch komplett fertig, die aus Dachlatten zusammengefügte Riesenspinne, die einen der größeren Eckräume komplett ausfüllt.
Nach dieser filigranen Arbeit hat nun im Erdgeschoss der Bau einer massiven raumhohen Figur begonnen. Es bleibt also spannend und auch ein wenig aufregend. Aber die Erfahrung hat Schäfer gelehrt, dass es am Ende immer noch geklappt hat.
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