Leverkusen: Ausnahmezustand im Tierheim
VON MAXINE HERDER - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010Leverkusen (RPO). Mit 96 Katzen sind die Kapazitäten des Tierheims Glüder endgültig ausgeschöpft.
"Wenn jetzt noch Tiere kommen, müssen wir uns etwas ausdenken", sagt Tierheimleiterin Andrea Kleimt.LEICHLINGEN/SOLINGEN Noch ist den beiden Kätzchen alles fremd: Die Menschen um sie herum, die Geräusche, der Geruch und der Metallkäfig in dem gefliesten Raum am Ende des langen Flures im Erdgeschoss des Tierheims Glüder, der seit vergangenem Sonntag ihr Zuhause ist. An diesem Tag wurden die beiden Katzen und ein Kater von der Polizei aus einer Solinger Wohnung geholt, wo sie, das haben die Nachbarn zu Protokoll gegeben, mindestens eine Woche lang alleine gelebt haben müssen: ohne Fressen, ohne ihren Besitzer. Weil sie aus der Toilettenschüssel trinken konnten, seien die Tiere nicht verdurstet, sagt Tierheimleiterin Andrea Kleimt.
Verlustgeschäft Vermittlung
Nachdem bereits im Mai 26 verwahrloste Katzen eines Tiersammlers aufgenommen werden mussten, ist die ohnehin angespannte Situation im Tierheim mit den drei Neuzugängen – scheuen, schmalen Tieren – und weiteren abgegebenen Katzen nun zu einem Ausnahmezustand geworden. "Wir haben jetzt 96 Katzen hier", sagt Andrea Kleimt, "die Kapazitäten sind ausgeschöpft." Alle 14 Katzenzimmer seien belegt, zudem der Quarantäneraum für die Neuzugänge. "Wenn jetzt etwas kommt", so Kleimt, "müssen wir uns etwas ausdenken." Es sei möglich, sagt sie, Gespräche mit anderen Tierschutzvereinen zu führen, "wobei die wirtschaftliche Lage in allen Tierheimen schlecht ist". Und die Vermittlung von Katzen, die entwurmt, entfloht, gechippt, geimpft und bei Bedarf kastriert würden, sei, bei Schutzgebühren von 70 Euro für erwachsene Tiere und 100 Euro für Katzenkinder, immer ein Verlust.
"Wir suchen jetzt Menschen, die eine Katze haben möchten und nicht unbedingt eine ganz junge wollen", appelliert die Tierheimleiterin. "Menschen, die bereit sind zu überlegen, ob sie nicht eine Katze von uns statt von einem Bauernhof holen, wo wegen der Nachfrage immer weiter Nachwuchs produziert wird, während das Tierheim aus allen Nähten platzt." Und Menschen, denen bewusst sei, dass die Anschaffung jedes Tieres auch Folgekosten bedeute.
Bei Hunden sieht's besser aus
"Bei den Hunden sieht die Situation besser aus", sagt Kleimt, "obwohl die Auflagen bei der Hundevermittlung viel strenger sind, als bei den Katzen: Wer einen Hund haben möchte, muss mindestens drei Mal kommen. Katzen kann man im Prinzip sofort mitnehmen." Dennoch gebe es auch bei den Hunden Notfälle, Tiere, die der Tierheimleiterein und ihrem Team besonders am Herzen liegen. Wie Timo: Seit zehn Tagen ist der Jack-Russel-Terrier in Glüder, nachdem seine Besitzer verstorben sind. Seit zehn Tagen sitzt der zwölfjährige Rüde mit dem traurigen Blick am Tor des Außengeheges – und wartet. "Bei so alten Hunden ist es immer schwer, dabei können gerade die Kleinen wirklich alt werden."
Auch für Fiu, einen achtjährigen Schäferhund, wünscht sich Andrea Kleimt dringend ein neues Zuhause. "Es waren schon Leute da, aber denen war er zu alt. Dabei wirkt er so viel jünger."
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