Leverkusen: Ausziehen für die Sicherheit?
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 24.09.2010 - 12:20Leverkusen (RPO). Alles hatte mit einem Hinweis auf eine geplante Pyrotechnik-Aktion am Mittwochabend bei der Begegnung zwischen den Fußballvereinen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt in der BayArena begonnen, der eine verschärfte Sicherheitskontrolle vor Spielbeginn auslöste. So hätten sich laut Angaben von Fans Frauen beim Sicherheitscheck in einem separaten Zelt bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen. Die umfangreiche Leibesvisitation sorgt im Nachhinein für eine kontroverse Diskussion zwischen den Fans.
Bei RP-Online wird heiß diskutiert, ob der Einsatz der Sicherheitskräfte gerechtfertig war, um andere Fans zu schützen oder nicht. Grund für die verschärfte Sicherheitskontrolle ist nach Angaben der Vereins Bayer 04 ein Verdacht auf den Einsatz von Pyrotechnik. Demnach sollten Frauen Feuerwerkskörper ins Stadion schmuggeln.
Auf RP ONLINE gibt ein User an: "Soweit ich mitbekommen habe, wurden auch genug Feuerwerkskörper gefunden und mehrere Stadionverbote erteilt! Also war die Aktion wohl nicht unberechtigt!"
Auch User "DiCI89" hält die Maßnahme der Securitity für richtig: "Ich halte eine genaue Leibesvisitation für sinnvoll, da es meistens die Gästefans sind die auf solche Ideen kommen. Ich hätte auch kein Problem, solch eine Prozedur über mich ergehen zu lassen, da es immerhin meiner eigenen Sicherheit dient. "
User Triplevize hinterfragt sogar, was die Alternativen für den Verein seien: "Ich war letzte Saison auch gegen Frankfurt im Stadion und habe 10 Minuten des Spiels nicht richtig sehen können, weil die Rauchschwaden der Frankfurter Bengalos durch das Stadion waberten. Mit der Konsequenz, dass Leverkusen eine Strafe zahlen musste. Also lieber Frankfurter: selbst schuld! Bedankt euch bei denen, die diese Aktion geplant haben und meckert nicht über die Security!"
"Die Würde des Menschen ist unantastbar....sofern er kein Fussballtrikot trägt"
Allerdings gibt es auch viele negative Reaktionen auf die verschärfte Leibesvisitationen, denn "Wer sich weigerte, wurde von Ordnern massiv in das Zelt gedrängt, oder ihm wurde der Zutritt zum Stadion verweigert", beschrieb ein Beteiligter gegenüber der Rheinischen Post.
"Sprachlos" über die verschärfte Sicherheitsmaßnahme ist etwa User "cosh": "Selbst Schuld? Dieses Schubladendenken hier ist eine reine Katastrophe! Auch ich finde Bengalos inakzeptabel. Aber ich möchte Euch sehen, wenn man Eure Tochter (ja auch Kinder waren betroffen) und / oder Eure Lebensgefährtin in so ein Zelt zieht und sie sich dort einer solch unwürdigen Prozedur unterziehen müssen. [...] Die Würde des Menschen ist unantastbar....sofern er kein Fussballtrikot trägt..."
Auch andere Fans beschreiben, dass die Sicherheitskontrollen "reine Schikane" gewesen seien und sich gegen die Menschenrechte richten würden. Doch den scharfen Vorwürfen, dass die Frauen sich einer besonders gründlichen Visitation unterziehen mussten, (einige Fans berichten davon, dass sich weibliche Fans "nackt ausziehen mussten") widerspricht ein weiblicher Fußball-Fan im Forum von Eintracht Frankfurt vehement:
"1. Die Frauen wurden NICHT nackt gemacht
2. sie wurden von KEINEM Mann kontrolliert
3. die Männer mussten NICHT die hosen runter lassen
4. jede Person hatte die WAHL"
Wie die Sicherheitsfrage zukünftig geregelt werden soll, darüber herrscht also große Uneinigkeit. Wiederkehrend bei den Fanstimmen ist der Appell an den sportlichen Gedanken:
"Wenn ich mir angucke, dass weinende Kinder mit ihren Vätern weglaufen, weil Sie Angst vor angeblichen ''Fans'' haben, die nichts mit Sportgedanken gemeinsam haben, dann kann man nur müde darüber lächeln, dass genau diese sich jetzt melden und von dem Sicherheitsdienst so wahnsinnig diskriminiert fühlen."
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