Leverkusen: Autonomie auf 300 Quadratmetern
VON BARBARA SCHMICKLER - zuletzt aktualisiert: 14.12.2009Leverkusen (RPO). Kunst und Kultur auf dem Gelände der Neuen Bahnstadt Opladen – das garantiert künftig das Kulturausbesserungswerk KAW. Zur Eröffnung am Samstag kam auch NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper.
Das neue KAW
Die freigelegten Backsteine an den Wänden der Veranstaltungshalle sind nicht die einzige Neuerung im Kulturausbesserungswerk. Der Saal ist nun beheizt. Die geöffnete Galerie bietet Stauraum und bessere Möglichkeiten zur Beleuchtung. Ein Teil der Nachbarhalle bietet der Heizung Platz und dient als kombinierter Backstage-Bereich und Lagerraum. Das Café ist jetzt größer und mit dem Saal verbunden durch ein neu gestaltetes Foyer als Eingangsbereich.
QUETTINGEN Über 20 000 Arbeitsstunden haben die "Aktivisten", wie sie sich selbst nennen, vom Kulturausbesserungswerk (KAW) auf dem Gelände der neuen Bahnstadt Opladen gebraucht, um das 300 Quadratmeter große Industrielager in eine moderne Halle zu verwandeln.
Bei der Eröffnung am Samstagabend war auch der nordrhein-westfälische Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) anwesend. Denn 80 Prozent der Kosten, immerhin 610 000 Euro, wurden durch das Projekt "Initiative ergreifen" des Landes NRW getragen. Den Rest finanzierte das KAW mit seinem Förderverein aus Spenden, Darlehen und eigener Renovierungsarbeit.
"Wenn eine Kirche eingeweiht wird, wird sie gesegnet, ich möchte dem Raum einen Wunsch in die Luft legen: Literaten, Dichter und Denker sollen hier ihre Worte an den Zuhörer bringen", sagte Uwe Stracke, der Vorsitzende des Fördervereins, der bereits in den siebziger Jahren gegründet wurde. Seit mehreren Jahren war der Umbau der Halle geplant.
"Abseits des Mainstream"
"Wir wollten einen Raum schaffen, in dem jeder frei seine Veranstaltung abseits des Mainstream machen kann, keine Kommerz-Disko", meinte Timo Glatz, einer der Ehrenamtler, die das KAW ausmachen.
Unter der Aufsicht von Architekt Bernd Schendzielorz wurde das alte Dach abgetragen und durch eine neue Dachkonstruktion ersetzt, neue Fenster, Türen, Toiletten, Garderobe, Lagerräume und eine Küche eingebaut. "Die Technik ist hochmodern und der Raum super schallgeschützt", so der Architekt.
Finanziert wurde das Projekt größtenteils vom Land NRW. "Wenn Ehrenamtler etwas machen wollen, dann fördern wir das", sagte Bauminister Lienenkämper und sprach von "gut angelegtem Geld". Bürgermeisterin Eva Lux (SPD) gratulierte ebenfalls zu einem "autonomen Kulturzentrum, wie es sonst in Leverkusen und Umgebung nicht existiert." Gerade zum Start des Regionale-Jahres sollte das KAW Leben auf das Gelände der alten Bahnstadt bringen. In ihrer Rede erinnerte Lux an die Schwierigkeiten, die KAW und Stadt miteinander gehabt hätten.
Passend dazu gab es später von Moderator Wolfgang Müller-Schlesinger für Vertreter aus Politik und Verwaltung ironisch gemeinte "Orden" für besonderes Bemühen und Unterstützung fürs KAW. Einziger anwesender "Preisträger" des Ordens am "roten Bande" war der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Hupperth, der die "Auszeichnung" mit Humor entgegennahm. Zur Einweihung der neuen Halle sprach auch Kabarettist Wilfried Schmickler, der sich noch an die Anfänge in den 70ern erinnerte und die Geschichte der autonomen Bewegung mit den Prinzipien "Selbsterfahrung, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung" aufzeigte. Jede Entscheidung sei schon immer ganz demokratisch mit allen getroffen wurden, selbst wenn es nur "um Jasmin- oder Earl Grey-Tee" ging. Solche Versammlungen veranstaltet das KAW noch heute. Demnächst wird entschieden, was im nächsten Jahr auf dem Programm stehen wird. Dann nicht mehr mit Übergangsgenehmigungen in einer Lagerhalle, sondern auf 300 Quadratmetern mit moderner Technik.
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