Leverkusen: Bäume verdrängen Gräber
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 03.09.2009Leverkusen (RPO). Die Friedhofsleute haben ein Problem: Auf den Friedhöfen müssen sie immer öfter beim Grab ausheben Wurzeln von Bäumen kappen. Damit ist die Standsicherheit gefährdet. Zum Schutz der Bäume sollen Gräber still gelegt werden.
Die Leverkusener Friedhöfe sind fast alle auch kleine Parkanlagen mit einem herrlichen Baumbestand. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: An rund 850 Stellen stehen die Bäume zu nah an den Grabstellen. Würden die Friedhofsleute dort eine neue Grube für eine Bestattung ausheben, müssten die "Starkwurzeln" der Bäume gekappt werden. Die Gefahr, dass der Baum umfällt, würde steigen. In vielen Fällen steht das Friedhofsamt vor der Wahl: Rodung des Baumes und Genehmigung der Sargbestattung oder Erhalt des Baumes und Ablehnung der Beerdigung. Die Friedhofsgärtner neigen in der Tendenz zum Erhalt des Baumes, um den Charakter der Friedhöfe zu sichern.
Friedhofssatzung
Die neue Fassung des § 10 der Leverkusener Friedhofssatzung:
"Eine Sargbestattung soll nicht durchgeführt werden, wenn hierdurch die Standsicherheit oder Lebensfähigkeit eines vorhandenen Baumes in der Rahmenanlage des jeweiligen Friedhofes gefährdet wird." Dann soll es ein Ersatzgrab geben.
Gräber für Nicht-Leverkusener
Das hat Folgen: Läuft das Nutzungsrecht für das Grab noch, kann der Hinterbliebene die Grabstätte zwar pflegen, aber nicht mehr. Soll ein weiteres Begräbnis stattfinden, will die Stadt ein Ersatzgrab an vergleichbarer Stelle anbieten. Eine Umbettung der schon beerdigten Angehörigen kann erfolgen, wenn dies gewünscht wird, schreibt die Stadt in einem Beratungspapier für den Stadtrat. Die Kosten übernimmt in diesen Fällen die Stadt.
Besonders markante Beispiele für die Problematik "Baum gegen Grab" finden sich laut Stadt auf dem Friedhof Bergisch Neukirchen an der Zypressenallee (siehe Foto). Auf dem Friedhof will die Stadt bei einem Ortstermin ihre Sicht der Dinge den Politikern erläutern. Die Ratsvertreter sollen zustimmen, dass zum Schutz der Bäume die Rechte der Grabnutzer beschnitten werden. In Köln, darauf verweist die Stadt, werde schon so verfahren.
Noch weitere Änderungen der Friedhofssatzung sind geplant: So sollen ganze Grabfelder "still gelegt" werden. Sprich: Die Gräber werden nicht mehr belegt. Vor allem auf dem Friedhof Reuschenberg will die Stadt Grabflächen mit wenigen "aktiven" Gräbern "deaktivieren" (teils gibt es nur noch 20 Gräber auf 1000 Quadratmetern). Diese Bereiche sollen eingezäunt, mit Gehölzen bepflanzt und sich selbst überlassen werden. Dies senke langfristig die Pflegekosten und wirke sich auf die Gebühren aus.
Und: Das Friedhofsamt will künftig das Beerdigen von Nicht-Leverkusenern erlauben. Anfragen dazu gebe es: Weil die Gebühren in Leverkusen noch "moderat" und hier anonyme Bestattungen möglich seien. Auswärtige sollen aber nur auf dem Friedhof Reuschenberg beerdigt werden können, weil dort genügend Reserveflächen vorhanden seien. (20 anonyme Urnenbestattungen bringen 15000 Euro Zusatz-Einnahmen).
Die Satzungsänderung soll der alte Rat im Oktober genehmigen.
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