Opladen: Bahnsteigdach doch vor dem Aus
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 10.03.2011Opladen (RPO). Die schönen Stahlstützen am Bahnsteigdach des Bahnhofs Opladen haben wohl doch keine Zukunft mehr. Die Bahn hat keine Pläne für ihre Verwendung. Dabei bescheinigt ein Experte dem Dach gar Verwandtschaft zum Eiffelturm.
Klemens Hantke ist Eisenbahner mit Leib und Seele. 33 Jahre hat er im Opladener Bahn-Ausbesserungswerk an der Werkstättenstraße gearbeitet. Und noch immer interessiert er sich für alles, was sich rund um das Thema in der Stadt so tut.
Die Diskussion um die Zukunft des Bahnsteigdachs am Bahnhof Opladen hat Hantke in den vergangenen Tagen aufmerksam verfolgt. Und er macht sich große Sorgen, dass ein Kunstwerk verschwinden könnte. Erst hatte die Bahn in einer Mitteilung zum Abriss des Bahnsteigdachs angekündigt, auch die historischen Stahlstützen zu entfernen, dies tags darauf aber wieder relativiert.
Doch jetzt sieht es ganz so aus, als gebe es für die Säulen am Bahnhof Opladen wohl doch keine Zukunft mehr. Ein Bahn-Sprecher erklärte gestern auf Anfrage, man habe noch keine konkreten Pläne, was mit den Elementen geschehen solle. Er verwies auf das Jahr 2014. Dann sollen in einer Modernisierungs-Offensive viele Bahnhöfe umgestaltet werden – auch der Opladener. In diesem Zusammenhang werde die Bahn sich dann auch mit der Säulenkonstruktion auseinandersetzen.
"Eine mittlere Katastrophe"
Opladens Bezirksvorsitzender Rainer Schiefer (CDU) weiß jedoch aus zahlreichen politischen Gesprächen der vergangenen Jahre: "Wenn ein neuer Bahnsteig kommt, wird es rein technisch ganz schwierig, wahrscheinlich sogar unmöglich, die Säulen dort unterzubringen."
Deshalb sei schon vor seinem Amtsantritt 2009 mehrfach davon gesprochen worden, die Konstruktion ganz abzubauen und womöglich irgendwo einzulagern. "Ich fürchte, die Bahn wird das machen, so schade ich es auch fände", sagt Schiefer.
Schade? Für Klemens Hantke wäre das ein Horrorszenario: "Das Ende der Stahlkonstruktion in Opladen ist eine mittlere Katastrophe. Eine so fein ziselierte Arbeit findet sich weit und breit wohl kein zweites Mal", sagt der Bahn-Liebhaber. Säulen, feinste Berliner Gusstechnik, Kapitelle, die nicht glatt sind, sondern mit Verzierungen ausgeschmückt – das alles spricht seiner Ansicht nach für den unbedingten Erhalt der Arbeit.
Sogar eine direkte Verwandtschaft mit dem Pariser Eiffelturm schreibt Hantke dem Opladener "Bahnhofs-Kunstwerk" zu: "Das Dach ist nicht einfach geschraubt, sondern wie beim Eiffelturm komplett genietet", sagt er.
Aus alten Schriftenreihen weiß Klemens Hantke, dass das Opladener Dach ein Jahr nach dem Bahnsteigbau errichtet wurde – um 1910 sei das gewesen. Ein Stück Geschichte, das nicht einfach verschwinden dürfe.
"Bis 2014 ist es noch eine Weile hin", erklärt die Bahn. Womöglich wird es bis zu einer endgültigen Entscheidung aber auch noch länger dauern, glaubt Rainer Schiefer, denn die Bahn bewege sich nun mal extrem langsam.
Der CDU-Politiker nennt ein Beispiel: die Brücke Nord in der neuen Bahnstadt: "Da soll ein geplanter Bahnsteig um 20 Zentimeter verschoben werden. Deswegen muss alles neu geplant werden. Bei der Bahn bedeutet das gleich eine Zeitverzögerung um ein Jahr."
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