Leverkusen: Bayer 04: Ausziehen nur in Ausnahmefällen
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2010Leverkusen (RPO). Bayer 04 Leverkusen schließt nach Rücksprache mit dem hauseigenen Sicherheitsdienst BaySecur nicht aus, dass es "in ausgewählten Fällen" (Kommunikationsdirektor Meinolf Sprink) dazu gekommen ist, dass sich weibliche Gästefans bei den Einlasskontrollen vor dem Spiel von Bayer 04 gegen Eintracht Frankfurt am Mittwoch in einem Extra-Zelt bis auf die Unterwäsche haben ausziehen müssen.
Es sei jedoch definitiv niemand aufgefordert worden, sich völlig zu entkleiden, sagte Sprink. Die Polizei konnte derweil auch am Montag keine Anzeigen gegen BaySecur-Ordnerinnen bestätigen.
Beispiel: Saarbrücken – Dresden
Der Verein hatte sich nach übereinstimmenden Hinweisen von Fanszene und Polizei auf Eintracht-Anhängerinnen mit versteckter Pyrotechnik entschlossen, die Einlasskontrollen zu verschärfen. Das diese Aktion dabei keine Premiere im Profifußball darstellt, beweist ein Fall aus dem März 2005.
Damals hatte die Polizei in Saarbrücken nach vergleichbaren Hinweisen im Vorfeld einer Zweitligapartie ähnliche Kontrollen bei weiblichen Fans von Dynamo Dresden durchgeführt – allerdings bis zum vollständigen Entkleiden, was das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes nach der Klage einer 16-jährigen Dresdnerin im Dezember 2007 als "rechtswidrig", weil nicht verhältnismäßig einstufte.
Rauchpulver in Kondomen
Bereits im damaligen Prozess hatten szenekundige Beamte dargelegt, wie "kreativ" Pyrotechnik inzwischen ins Stadion geschmuggelt werde: "Es sei davon die Rede gewesen, dass diese Materialien in der Unterwäsche, zum Beispiel in Büstenhaltern, [...] eingeschmuggelt und dort den eigentlichen Tätern ausgehändigt werden sollten", heißt es in der Urteilsbegründung. Ein BaySecur-Mitarbeiter berichtete jetzt, es gebe sogar Fälle, bei denen Personen Rauchpulver in Kondome abfüllen und sich diese rectal einführen und transportieren. Die Beschreibung der potenziellen "Täterinnen" durch die Saarbrücker Polizisten von 2005 liest sich dabei ähnlich der, die laut Sprink auch Bayer 04 in der Vorwoche vorlag: jung, 18 bis 30 Jahre, unauffällig.
Dass Frankfurt nun eine Stellungnahme zu den Vorfällen einfordert, nehme man schlicht zur Kenntnis, sagte Sprink weiter. Übrigens: Auch in der Vorsaison hatte das Spiel Leverkusen gegen Frankfurt ein Nachspiel: Weil Eintracht-Fans am 6. November 2009 in der BayArena Feuerwerkskörper gezündet hatten, musste Frankfurt später 7500 Euro Geldstrafe zahlen.
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