Leverkusen: Bayer: Dividende und Protest
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 29.04.2010Leverkusen (RPO). Vor der Hauptversammlung des Bayer-Konzerns dürfte es am Freitagmorgen bunt zugehen. Während drinnen Vorstandsvorsitzender Werner Wenning seine letzte Bilanz präsentiert, demonstrieren draußen Bayer-Kritiker.
Den kommenden Montag werden sich Bayer-Aktionäre rot im Kalender markiert haben, denn für diesen Tag ist die Dividendenausschüttung geplant. Das Leverkusener Unternehmen will 1,40 Euro je Aktie zahlen.
"Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, den gesamten im Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2009 ausgewiesenen Bilanzgewinn in Höhe von 1 157 726 931,20 Euro zur Ausschüttung einer Dividende von 1,40 Euro je dividendenberechtigter Aktie zu verwenden", schreibt die Bayer-Spitze in der Einladung zur Hauptversammlung an die Aktionäre.
Zwei Topmanager gehen
Hauptversammlung ist am Freitag in Köln in den Messehallen. Und die ist nicht nur insofern bedeutsam, dass dort Aktionäre und Geschäftsführung direkt miteinander in Kontakt treten, sondern auch, weil es die letzte für Bayer-Vorstandschef Werner Wenning und für Finanzvorstand Klaus Kühn sein wird.
Weniger Anmeldungen
Für die Hauptversammlung haben sich weniger Aktionäre angemeldet als im vorigen Jahr – die Zahl liegt nur im vierstelligen Bereich. 2009 war sie noch fünfstellig. Ein Bayer-Sprecher betonte gestern aber, dass die Anmeldezahl eine wenig aussagekräftige Rolle spiele. Die Präsenzzahl, also die der tatsächlich morgen um zehn Uhr auf dem Kölner Messegelände erscheinenden Aktionäre, sei bedeutsamer. Hier rechnet Bayer mit einer deutlich höheren Zahl als der der Anmeldung.
Beide treten in diesem Jahr in den Ruhestand. Klaus Kühn quasi sofort, Wenning überlässt Ende September seinen Vorstandsvorsitzenden-Stuhl dem "amerikanischen" Niederländer Marijn Dekkers.
"Ich selbst werde in diesem Herbst nach 44 Jahren im Unternehmen, davon mehr als acht Jahre als Vorstandsvorsitzender, meine Verantwortung für die Führung abgeben", schreibt Wenning an die Aktionäre.
"Mein Dank gilt dem Unternehmen Bayer, das mir ein interessantes, forderndes und abwechslungsreiches Berufsleben ermöglicht hat. Mein Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die sich in den vergangenen Jahren mit ihren Leistungen und ihrem Engagement für Bayer eingesetzt haben.
Mein Dank gilt auch Ihnen, sehr geehrte Aktionäre, für das Vertrauen, das Sie mir und dem von mir geleiteten Vorstand in den vergangenen Jahren entgegengebracht haben. Ich bitte Sie, meinen Nachfolger, Dr. Marijn E. Dekkers, und die Führung des Unternehmens in gleicher Weise dabei zu unterstützen, den Erfolgskurs fortzusetzen", formuliert Wenning.
Dennoch: Eine Hauptversammlung ist ein Pflichttermin, keine Abschiedsveranstaltung, heißt es bei Bayer. Große Dankesszenen sind offenbar nicht geplant. Die letzte Aktionärsversammlung in der Ära des Opladeners Wenning soll laufen wie die anderen zuvor auch – den Themen geschuldet.
Demonstrationen geplant
Wohl auch den unangenehmeren Themen, etwa den zahlreichen Klagen, die anhängig sind. Die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" plant sichtbare Kritik. Vor dem Eingang zur Hauptversammlung sollen zwei Frauen, die angeblich durch die Anti-Baby-Pille von Bayer geschädigt wurden, protestieren. Zudem, so teilte der Verein mit, werden kritische Aktionäre wegen der Gefährlichkeit der Pille ("Embolierisiko") die Nicht-Entlastung des Vorstands fordern.
Widerstand gibt es auch gegen die Produktionsanlage für Nanotubes im Leverkusener Werk. Und Demonstrationsthema wird der Bau der CO-Pipeline sein. Dies kündigte Dauer-Kritiker Axel-Köhler Schnura an, der seit über 25 Jahren gegen den Chemie- und Pharmakonzern Bayer arbeitet. Nach den Ankündigungen zu schließen, wird es in der Tat eine ganz normale Hauptversammlung: die letzte von Klaus Kühn, die letzte von Werner Wenning.
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