Leverkusen: Bayer verdient weniger
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009Leverkusen (RPO). Die Bilanz für April bis Juni beschrieb der Bayer-Konzern gestern so: "HealthCare stark, CropScience wächst weiter, MaterialScience stabilisiert."
Gestern legte die Bayer-Aktie an der Frankfurter Börse um 5,44 Prozent zu und notierte zum Schluss mit 42,23 Euro. Die Händler und Banker haben offenbar momentan Vertrauen in den Leverkusener Konzern. Der Unternehmensvorstand unter Vorsitzendem Werner Wenning vertraut dagegen fest seiner Belegschaft: "An unseren ambitionierten Ergebniszielen für das Gesamtjahr 2009 halten wir fest", ließ sich der Konzernchef bei der Vorstellung der Zahlen für das zweite Quartal zitieren.
Pharma legte deutlich zu
Dabei hat der Weltkonzern in den vergangenen drei Monaten weniger umgesetzt (minus 5,9 Prozent) und auch weniger verdient (minus 7,3 Prozent). Im ersten Halbjahr 2009 sanken die Umsatzerlöse von 17 Milliarden Euro auf 15,9 Milliarden (minus 6,7 Prozent). Das Konzernergebnis rutschte um 28,4 Prozent auf 957 Millionen Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008. Auch eine wichtige Kennzahl des Konzerns, EBITDA vor Sondereinflüssen, sackte im Halbjahr um 15,2 Prozent durch.
Zahlen
Bayer erwartet einen Konzernumsatz in 2009 von bis zu 32 Milliarden Euro. Das Ziel: den Rückgang des EBITDA vor Sondereinflüssen für den Konzern auf fünf Prozent zu begrenzen.
Die Forschungskosten sollen bei 2,9 Milliarden Euro liegen.
Die Investitionen in Sachanlagen werden nach Konzernschätzung bei 1,4 Milliarden Euro liegen.
Dennoch gab es von der Konzernspitze Lob. Besonders "erfreulich" bewertete Wenning die "deutliche Umsatz- und Erlössteigerung bei HealthCare". Das Pharmageschäft und der Bereich Consumer Health (freie Mittel) trugen dazu bei. Als Top-Arznei bezeichnete Bayer die Krebsarznei "Nexavar", das Multiple-Sklerose-Mittel "Betaferon" oder "Aspirin Cardio" (die Umsätze beim Schmerzmittel Aspirin sanken dabei leicht).
CropScience steigerte ebenfalls den Umsatz und blieb beim Ergebnis laut Konzernmitteilung auf Vorjahresniveau. Zur positiven Entwicklung trugen nach Konzernangaben beispielsweise die verschiedenen Saatgut-Bereiche bei.
Das Sorgenkind MaterialScience lag laut Bayer "erheblich unter Vorjahresniveau". Absatzmengen und Verkaufspreise waren stark rückläufig. Die Kennziffer EBITDA vor Sondereinflüssen lag mit 99,4 Prozent unter dem Ergebnis des ersten Halbjahres von 2008. Die Umsatzerlöse gaben für den Zeitraum um 32,5 Prozent nach. Vor allem das Geschäft mit Schaumstoff-Rohstoffen lief schlecht. MaterialScience hat deshalb schon Produktionsanlagen still gelegt. Bis Ende 2009 sollen weitere dauerhafte Stopps für Bereiche wie Basischemikalien, Polyurethanes, Coatings und andere realisiert werden. Die bisherigen Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen werden "beschleunigt" umgesetzt, kündigte Wenning an. Insgesamt sieht der Vorstandschef die Talsohle der Krise erreicht, aber "eine nachhaltige Besserung zeichnet sich nicht ab".
Bayer musste zusätzliches Geld (70 Millionen Euro) für den Pensionsversicherungsverein der deutschen Unternehmen zahlen. Grund: das "historisch hohe Schadensvolumen aus Insolvenzen".
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