Leverkusen: Bayer zahlt Imkern zwei Millionen
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008Leverkusen (RPO). Über 700 Imker in Süddeutschland haben wegen des Bienensterbens nach der Maisaussaat Verluste erlitten. Die Samen waren unsachgemäß von Saatgutfirmen mit einem Pflanzenschutzmittel gebeizt worden, das Bayer herstellt.
Die Ursache
Untersuchungen zum Bienentod ergaben: „Der erhöhte Abrieb von Beizmitteln mit dem Wirkstoff Clothianidin in Verbindung mit der pneumatischen Sätechnik haben das Bienensterben maßgeblich verursacht“, sagte nun Minister Hauk. Heißt: Neben der Sicherheit von Poncho will das Ministerium auch die Beizqualität und die eingesetzte Sätechnik prüfen. Für Menschen ist Clothianidin laut CropScience nicht gefährlich. Derzeit laufen Kontrollen zu Lebensmitteln aus der Region wie etwa Obst. Bisher alles unbedenklich.
Aufatmen bei den baden-württembergischen Imkern. Bayer wird zwei Millionen Euro an die Bienenzüchter zahlen – als Ausgleich für die Millionen verlorener Honigbienen, die durch falsch gebeiztes Maissaatgut im Mai in der Oberrheinebene starben. Behandelt worden waren die Maissamen mit dem Pflanzenschutzmittel Poncho Pro von Bayer CropScience. Messwerte in der Region ergaben eine hohe Konzentration des Poncho-Wirkstoffs Clothianidin. Der ist, „wenn er falsch dosiert wird“, giftig für die kleinen Honiglieferanten, bestätigte Dr. Hermann-Josef Baaken von CropScience der RP Ende Mai auf Anfrage. „Es muss nun darum gehen, rasch unbürokratisch zu helfen.“
„Ponchos“ Zulassung ruht
Und Hilfe tut Not. Rund 11 500 Bienenvölker von 700 Imkern sind laut Angaben des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg vom Bienentod betroffen. „Der Schädigungsgrad ist unterschiedlich“, sagte am Mittwoch der zuständige Minister Peter Hauk. Insgesamt gehe man von einer Schädigung bei den Völkern von bis zu 80 Prozent aus. Bedeutet wohl: Weniger Honig aus der Region im Westen Baden-Württembergs wird in Verkaufsregalen stehen.
Wie viel Verluste sie bei der Honigernte einfahren werden, wissen die Imker noch nicht. Der Landesverband der Imker beklagt das schlimmste Bienensterben seit 30 Jahren. Verteilt werden die zwei Millionen individuell je nach Schädigung, Kosten für neue Völker und entgangenen Erträgen aus der Ernte, erläuterte Hauk.
Derweil ruht die Zulassung für Bayers „Poncho Pro“. Mitte Mai hatte das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) das Präparat sowie andere Pflanzenschutzmittel zur Beizung von Mais und Raps mit einem Ruhen der Zulassung belegt. Seit Mittwoch ist der „Bann“ für die Pflanzenschutzmittel zur Behandlung von Rapssaatgut aufgehoben, was wichtig ist für Bayer. Die neue Rapsaussaat steht an.
„Ponchos“ Bann besteht weiter
Für Poncho Pro besteht der Bann weiter. Zudem hat das BVL Bayer auferlegt, die mit Poncho behandelten Äcker zu beobachten – ein so genanntes Clothianidin-Monitoring. Ergebnisse daraus fließen dann „in die Beurteilung zur weiteren Zulassung des Wirkstoffes ein“, begründet das Ministerium. Peter Hauk will auch anderweitig kein Risiko durch den falsch auf die Samen aufgebrachten Bayer-Wirkstoff eingehen. Er gab in Auftrag, es solle untersucht werden, inwieweit der Clothianidineinsatz auf wilde Tiere, vor allem Insekten, Einfluss habe.
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