Leverkusen: Bayer zahlt wegen Bienentod
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 05.06.2008Leverkusen (RPO). Nach der Maisaussaat im Süddeutschen starben die Insekten zuhauf. Messungen ergaben eine hohe Konzentration des Bayer-Pflanzenschutzwirkstoffs Clothianidin. CropScience will Imkern nun rasch und unbürokratisch helfen.
Die Untersuchung
Der Imkerverband veröffentlichte das Untersuchungsergebnis des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg zu dem Maissaatgutbehandlungsmittel Clothianidin an Bienen und Pflanzen. Ergebnis: ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Aussaat mit pneumatischen Sägeräten (Luftauslass nach oben) und Bienentod in der Rheinebene südlich von Karlsruhe. www.badische-imker.de
In Baden-Württemberg starben im Mai die Honigbienen millionenfach. Der Landesverband badischer Imker beklagt die schlimmsten Bienenverluste seit 30 Jahren. Der Grund für den Bienentod führt ins Rheinland. Der Wirkstoff Clothianidin von Bayer trägt Schuld am Verlust der Honiglieferanten, „weil er zu hoch dosiert für Bienen giftig ist. In Baden-Würtemberg liegt ein technischer Defekt vor, für den wir nichts können“, erläutert Dr. Hermann-Josef Baaken von Bayer CropScience und dröselt den Problemfall auf.
Der Stoff wurde herausgeweht
Bayer CropScience beliefert auch in Baden-Württemberg Saatgutfirmen mit Pflanzenschutzmitteln, in denen der Wirkstoff Clothianidin enthalten ist. Die Firmen bringen dann das Schutzmittel mit einem Bundemittel maschinell aufs Saatgut auf. „Normalerweise haftet das Mittel dann wie eine Staubhülle um das Saatkorn“, sagt Baaken. „In dem vorliegenden Fall war offenbar durch falsches Aufbringen des Schutzmittels die Haftung nicht groß genug. Der Stoff wurde bei der Saat herausgeweht.“ Die Schuld sieht Bayer CropScience nicht bei sich, der Wirkstoff sei für Mensch, Tier und Natur völlig ungefährlich, wenn er sachgemäß verwendet werde.
Aber: Bayer will den Schaden der Imker in Süddeutschland begrenzen helfen. Finanziell. Wie hoch die eingesetzten Mittel dafür sein werden, könne man noch nicht sagen, weil derzeit die Schadensbestandsaufnahme beim Ministerium in Baden-Württemberg liefe. Rückstellungen für einen solchen Fall hat Bayer nicht, sagt Baaken. „Jetzt geht es darum, so schnell und so unbürokratisch wie möglich Hilfe zu leisten – unabhängig davon, wer die Schuld an dem Bienensterben trägt.“
Bayer fühle sich aber insofern verantwortlich, dass erstens der Bayer-Wirkstoff in der Luft gemessen wurde, also ausgetreten ist, und zweitens man sich „als verantwortliches Unternehmen“ um Imker als indirekte und Landwirte als direkte Partner kümmern wolle. Derweil sind am vergangenen Wochenende die restlichen belasteten Waben eingesammelt und in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt worden, schildert Baaken.
Wie groß der Schaden sei, kläre sich wohl in den kommenden Wochen, wenn alle betroffenen Imker Meldung beim Ministerium gemacht hätten. „Wie viel Honig aus dem Badischen durch das Bienensterben fehlen wird, ist bedauernswert. Das ist doch die Region für Honig in Deutschland“, betont Baaken.
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