Leverkusen: Berlins Geld treibt die Preise hoch
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009Leverkusen (RPO). Elf Schulen und eine Kindertagesstätte sollen im Rahmen des Investitionsprogramms saniert werden. Die Verwaltung verspricht sich davon einen großen Wurf. In Rheindorf gehen allerdings bereits Eltern auf die Barrikaden.
Maria Kümmel hat hektische Tage hinter sich. Seit vor gut drei Wochen die Zuwendungen für die Kommunen spruchreif wurden, sitzen Kümmel "und der halbe Fachbereich" an diesem Thema. Rund 30 der 48 Schulen hat sie besucht. Schlecht isolierte Dächer oder aus energetischer Sicht antik anmutende Fenster hat sie zuhauf gesehen.
"In der Löwenzahnschule", beginnt ein Erlebnisbericht der stellvertretenden Fachbereichsleiterin der Leverkusener Gebäudewirtschaft, "haben wir mit einer Wärmebildkamera Fotos gemacht". Kümmel macht eine kurze Pause und sagt dann: "Alles rot."
Heizung bollert auf Höchststufe
Aus der Rheindorfer Grundschule von 1961 entkommt die teuer produzierte Wärme ohne große Umwege. Die Heizkörper in der Eingangshalle bollern auf höchster Stufe, aber sie stehen gleich neben einfach verglasten Fenstern mit Stahlrahmen, die der Wärme einen optimalen Fluchtweg nach draußen bieten. Daher ist die Löwenzahnschule mit drei Millionen das teuerste Sorgenkind auf der Maßnahmenliste im Zuge des Investitionsprogramm. Dicht gefolgt von der Grundschule Heinrich-Lübke-Straße (2,9 Millionen Euro). Dort, berichtet Kümmel, betrage der Energieverbrauch mit knapp 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter das Dreifache des Durchschnitts.
Protest aus der Masurenstraße
Die erste von Kümmels Fachbereich erstellte Liste umfasste 32 Maßnahmen. Nun sind die Projekte durch die politischen Gremien gesickert, übrig geblieben sind zwölf: je drei in den Bezirken I und II, sechs im Bezirk III. Ob das die endgültige Liste ist? Fraglich. In Rheindorf geht bereits die Elternschaft der Grundschule Masurenstraße auf die Barrikaden. Sie reklamiert mit Verweis auf ein undichtes Dach, alte Fenster, PCB-Problem, erbärmliche Toiletten und Heizkosten im roten Bereich auch Geld für ihre Schule. Die Bürgerliste hat sich gleich an die Seite der Eltern gestellt und fordert 190 000 Euro fürs Dach aus dem Konjunkturpaket und eine Sonderratssitzung, um Tempo aus der Investitionsprogramm-Entscheidungsfindung zu nehmen (eigentlich soll der Rat am Montag über die Liste abstimmen).
Ohnehin: Zwar sind die 15 Millionen Euro das Dreifache des sonst jährlich Üblichen im Gebäudewirtschaft-Etat. Aber alle baulichen Wunden der Schulen lassen sich damit längst nicht heilen. So ließen sich alleine in der Gesamtschule Schlebusch leicht und locker 9,5 Millionen Euro sehr sinnvoll investieren – um nur ein Beispiel zu nennen.
"Aber auch die zwölf geplanten Maßnahmen wären ein großer Wurf", ergänzt Kümmel. Die Energiekosten für die Stadt (5,3 Millionen Euro pro Jahr) würden so auf einen Schlag erheblich gesenkt.
Umbau: Schüler rücken zusammen
Zwar müssen die Maßnahmen noch beschlossen werden, aber in Kümmels Hinterkopf gärt bereits die Umsetzung. "Wann wir die Architekten mit konkreten Planungen beauftragen können, ist völlig unklar." Aber bald soll es Gespräche mit den Schulleitern geben. Das Problem: Im ganzen Land werden Kommunen sich bemühen, ihre Maßnahmen in den Sommerferien durchzuziehen, dementsprechend ausgelastet dürften die Baufirmen sein.
"Also versuchen wir aus den Ferien herauszukommen und bei den Schulen für einen Umbau während des laufenden Betriebs zu werben", verrät Kümmel. Dann heißt es für die Schüler wohl: Zusammenrücken für den großen Wurf.
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