Opladen: Bezirk setzt Zeichen gegen Amtsgerichts-Abriss
VON PETER KORN/US - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Opladen (RPO). Rainer Schiefer nahm keine Rücksicht auf sonstige Gepflogenheiten: "Ich muss eine Erklärung voranschicken", sagte der Vorsitzende der Vertretung für den Stadtbezirk II zu Beginn der gestrigen Sondersitzung: "Sonst bin ich ja immer neutral, aber die Freiheit nehm' ich mir jetzt einfach raus."
Und dann legte der CDU-Politiker los, machte seinem Unmut im Ratssaal richtig Luft: "Wir in Opladen sind alle noch immer empört, dass das alte Amtsgerichtsgebäude abgerissen werden soll und dass niemand im Vorfeld der Entscheidung darüber mit uns Kontakt aufgenommen hat", wetterte Schiefer und zählte auf, was früher an historisch wertvollen Gebäuden in der Stadt "leichtfertig abgerissen" worden ist: das alte Opladener Rathaus, sein Pendant in Wiesdorf, vor allem aber Schloss Reuschenberg: "Lassen Sie uns ein Zeichen setzen, dass nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nun ähnliches mit dem Gericht geschieht."
Dieses Zeichen setzten die Bezirksvertreter eindrucksvoll: Einstimmig beschlossen sie, von der Oberen Denkmalbehörde (Landschaftsverband Rheinland und Bezirksregierung Köln) zu fordern, das Gebäude zum Denkmal zu erklären. Der Beschluss wurde gestern am Abend vom Stadtrat übernommen. Die Ratspolitiker ergänzten auf Antrag der CDU: "Ist Denkmalschutz nicht möglich, soll wenigstens die Fassade erhalten bleiben." CDU-Abgeordnete Ursula Monheim könne bei der NRW-Justizministerin ja jetzt Druck machen und auf den Erhalt des historischen Gebäudes drängen, meinte SPD-Fraktionschef Dr. Walter Mende.
Bezirksvorsteher Schiefer hatte zu vor kritisierte, dass die Stadt (untere Denkmalbehörde) 1982 zugestimmt hat, das das Gerichtsgebäudes nicht als Baudenkmal eingestuft wurde. Das Haus sei "prägend für das Kerngebiet der Ex-Kreisstadt Opladen", begründeten die Bezirksvertreter ihren Entschluss. Es sei das älteste erhaltene Zeugnis der Opladener Gerichtstradition, die bis ins Mittelalter zurückreiche.
"Und wenn", wollte Bezirksvertreter Friedrich Busch (FDP) wissen, das Land die Proteste nun zum Anlass nehme, das Gebäude zwar zu erhalten, den Gerichtsbetrieb zu verlegen? Schiefers Antwort kam spontan: "Das wäre mir vollkommen egal."
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