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Leverkusen: BMS im Würgegriff der Krise

VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 04.03.2009

Leverkusen (RPO). Dank HealthCare und und CropScience hat Bayer 2008 ein Rekordjahr erlebt. Aber die Kunststoffsparte Material Science ging im vierten Quartal vor der Wirtschaftskrise überdeutlich in die Knie – und bekam schlechte Prognosen.

Grün ist die Farbe der Hoffnung, und grün war die Krawatte, mit der Werner Wenning gestern die Bilanz-Konferenz zum Geschäftsjahr 2008 inklusive Prognose für 2009 vorstellte. Und nur für die Prognose brauchte der Bayer-Konzernchef die grüne Krawatte. Für das Bilanzjahr nämlich hätte es ein gelber Binder sein müssen. Gelb steht für Erfolg –, und 2008 war für den Leverkusener Konzern "das operativ erfolgreichste Jahr in der langen Geschichte von Bayer", wie Wenning betonte.

Das zahlt sich aus – auch für den Vorstand. Dessen Vorsitzender verdiente mit 3,656 Millionen Euro (Gesamtbezüge) 63 000 Euro mehr als 2007. Finanzvorstand Klaus Kühn erhielt 2,354 Millionen (plus 6000 Euro), Innovationsvorstand Wolfgang Plischke 1,891 Millionen (plus 11 000 Euro), und Arbeitsdirektor Richard Pott machte ein kleines Minus von 2000 Euro auf 1,886 Millionen.

Jahr der Rekorde

Nicht nur die Vergütung des Vorstandes erreichte 2008 Rekordniveau. Rekorde zählte Werner Wenning auch für den Umsatz (stieg um 1,6 Prozent auf 32,9 Milliarden Euro), das Ebitda vor Sondereinflüssen (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen: plus 2,3 Prozent auf 6,9 Milliarden) und das Ebit vor Sondereinflüssen (Gewinn vor Zinsen und Steuern: plus 1,3 Prozent auf 4,3 Milliarden) auf.

Und doch: Richtig gelb hätte Wennings Krawatte auch nicht sein dürfen, denn auf den symbolisch strahlenden Stoff hätten die Zahlen der Kunststoffsparte MaterialScience Trauerränder geworfen. Im vierten Quartal hat die Wirtschaftskrise ihren Würgegriff um BMS erheblich verschärft.

Das BMS-Ebitda schrumpfte im Vergleich zum vierten Quartal 2007 um 300 Millionen auf 54 Millionen Euro (Gesamtjahr: Ebitda minus 32,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, Ebit minus 48,5 Prozent auf 537Millionen Euro). Der Absatz war in den letzten drei Monaten 2008 um 30 Prozent eingebrochen, die Kapazitätsauslastungen schrumpften. "Diese Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise trafen MaterialScience in nahezu allen Produktgruppen und Absatzregionen", skizzierte Werner Wenning. "Etwas Vergleichbares haben wir noch nie gesehen."

Und es sieht im ersten Quartal 2009 nicht besser aus. BMS sei noch schwächer gestartet als erwartet. "Wir müssen uns in diesem Bereich für 2009 auf gravierende Rückgänge beim Umsatz und beim Ebitda vor Sondereinflüssen einstellen", zeichnete der Vorstandschef ein düsteres Szenario, laut dem BMS in den ersten drei Monaten 2009 ein noch schwächeres Ergebnis als im vierten Quartal 2008 einfahren soll.

Und sich, sollte sich MaterialScience nicht schnell erholen, auf den Konzern-Gewinn auswirken wird. Bayer will einen Rückgang des Konzern-Ebitdas auf fünf Prozent begrenzen.

Liquidität vor externem Wachstum

Irgendwie schien die grüne Krawatte ein Signal setzen zu wollen. Das da heißt: Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern den Konzern trotz des Kellerkindes BMS (und dank der rekordverdächtig guten Zahlen der Säulen Health Care und Crop Science) voranbringen. Heißt konkret: Liquidität und Ergebnissicherung gehen vor externem Wachstum.

Es werde in diesem Jahr keine Milliardentransaktionen in Sachen Akquisition geben, unterstrich der Konzernchef. Dennoch wolle man beobachten und analysieren, was sich für den Ausbau etwa im Pharmabereich und für den Ausbau der Bayer-Präsenz in den Schwellenländern tun ließe.

Kurzum: Werner Wenning wirkte gestern sehr entschlossen, Ende 2009 vielleicht doch einen gelben Binder anlegen zu können – und so schöne Bezüge auf dem Konto zu haben wie für das vergangene Jahr..

Quelle: RP

 
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