Opladen: Bombenfund in Opladen
VON TEXT: ROMAN ZILLES, CHRISTINA WAGEMANNS UND ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 28.05.2010Opladen (RPO). Eine englische Fünf-Zentner-Bombe hat gestern in Opladen für Aufregung gesorgt. Die an der Werkstättenstraße gefundene Bombe musste vor Ort gesprengt werden. Rund 700 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen.
Die englische Fliegerbombe war gegen 15.30 Uhr nahe des Sängerheims an der Werkstättenstraße in etwa 80 Zentimetern Tiefe entdeckt worden – bei Erdarbeiten für Versorgungsleitungen, die eine Firma im Auftrag der Energieversorgung Leverkusen dort ausführt. Baggerführer Andreas Lang berichtete: "Ich bin auf einen harten Gegenstand gestoßen, habe leicht daran gerüttelt und dann erkannt, dass es sich um eine Bombe handelt. Es war erschreckend." Der Baggerführer – "das ist meine erste Bombe" – schlug umgehend Alarm.
Entschärfung zu gefährlich
Erinnerung an 2008
Der Einsatz gestern erinnerte an den 13. März 2008. Damals war auf dem Freibadgelände an der Opladener Talstraße ebenfalls eine englische 5-Zentner-Bombe entdeckt worden. 1300 Menschen mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen. Der Sprengkörper konnte noch in der Nacht entschärft werden.
In welch großer Gefahr er und seine drei Kollegen (von denen einer beim Fund im Loch unmittelbar neben der Bombe gestanden hatte) sich befunden hatten, wurde beim Eintreffen der Experten des Kampfmittelräumdienstes offenkundig. "Die Bombe ist mit einem mechanisch-chemischen Langzeitzünder ausgestattet und verfügt über fünf Sicherungseinrichtungen", erklärte Dieter Daenecke vom Kampfmittelräumdienst. Selbst die Experten zeigten sich beeindruckt von der Gefährlichkeit der Bombe. Die Splitterwirkung solcher Weltkriegsbomben habe bei einer Detonation an der Oberfläche eine Reichweite von 1000 Metern und mehr, sagte Daenecke.
Eine Entschärfung war nach Einschätzung der Fachleute nicht möglich. Folglich entschieden sie sich für eine Sprengung vor Ort. Der Plan: Die Bombe sollte in ein eigens ausgehobenes vier Meter tiefes, mit Sand und Stroh gefülltes Loch eingegraben werden. Die Sprengung (nach Redaktionsschluss) sollte in einer Entfernung von etwa 150 Metern zum Fundort erfolgen, weit genug weg von Gebäuden und der Bahnoberleitung, um Beschädigungen zu vermeiden. Für die Sprengung wurden die angrenzende Bahnlinien Köln-Opladen-Wuppertal (Personen- und Güterzugstrecke), der Luftraum über der Einsatzstelle und die Bahnallee gesperrt. Häuser im Umkreis von 300 Metern wurden evakuiert, damit fing die Feuerwehr gegen 20.30 Uhr an: Begonnen wurde mit dem Hochhaus an der Bahnallee und Wohnungen an der Friedrich-List-Straße, dann arbeiteten sich die Kräfte Richtung Süden vor. Betroffen waren auch Häuser an der Humboldt-, Wilhelm-, Augusta-, Karl- und der Uhlandlandstraße. Nicht immer wirkte der gesamte Ablauf wohl organisiert. So wurde etwa der Bahnhof-Bereich aus Richtung Fußgängerzone gesperrt, aus der anderen Richtung war er aber zunächst ungehindert zu erreichen.
Rund 700 Menschen waren betroffen. Wer nicht anderweitig unterkam, für den wurden im Berufskolleg an der Stauffenberg-Straße (in dem schon 2008 die Anwohner während der Entschärfung der Bombe am Freibad Talstraße untergebracht waren) Räume als Wartezimmer geöffnet. Wupsi-Busse brachten die Menschen dorthin. Um 22.15 Uhr waren dort ca. 170 Personen anwesend. Darunter auch das Ehepaar Herbert und Elvira Vogel mit ihren zwei Katzen. Die Vogels hatten Verständnis für die Evakuierung: "Sicherheit geht vor."
Besondere Sorgen hatte Ilona Reeßing, Bewohnerin aus der 3. Etage des Hochhauses Bahnallee, vor der Sprengung der Bombe. Die Statik des Hauses stimme in einigen Bereichen jetzt schon nicht. "Ich habe Angst, ob das Haus nach der Detonation noch stabil ist." Das Hochhaus ist seit langem mit Netzen gesichert, um das Herabfallen von Fassadenteilen zu verhindern. Die Hauseigner hatten schon vor Monaten eine umfassende Sanierung angekündigt.
Über 200 Helfer waren wegen des Bombenfundes im Einsatz – Kräfte von Polizei, Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr, Kampfmittelräumdienst, Rotem Kreuz, Maltester Hilfsdienst, Stadt und Bahn. Auch Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn war vor Ort.
Baggerführer Andreas Lang konnte die Szenerie bereits am frühen Abend verlassen. Da konnte er zwar bereits wieder lachen. "Allerdings weiß ich nicht", fügte er an, "wie ich mich morgen früh fühlen werden, wenn ich weiter baggern muss."








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