Leverkusen: Brathendel vom Bauzaun
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 10.04.2008Leverkusen (RPO). Auch Baustellen-Schaulustige haben Hunger. Das weiß auch ECE und hat einen Container im Zaun um die Baustelle in der City an Nehir Calhan, besser bekannt als Mister Chicken, vermietet.
WIESDORF Die Baumaschinen gehören längst zum Alltag in der Wiesdorf Innenstadt. Seit mehr als drei Monaten wird gebaggert, abgerissen, planiert. Treue Wegbegleiter sind die Bauzaun-Gäste. Ständig schauen sie den Arbeitern über die Schulter. Wer aber in den vergangenen Tagen den Zuschauern beim Zuschauen zuschaute, der entdeckte etwas Neues und Altes zugleich: Kleine weiße Papiertütchen mit Fritten drin hielten einige der Bau-Schaulustigen in den Händen. Pommes also, wie es sie bis Ende 2007 am Imbiss am Bayer-Kaufhaus zu kaufen gab.
Tatsächlich, er ist wieder da: der Frietjes-Store. Allerdings haben die holländischen Fritten fusioniert mit dem Nachbarn aus alten Zeiten: Meister Chicken. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich Nehir Calhan. Der 30-jährige Inhaber des Hähnchenverkaufs hat aus zwei Imbissen einen gemacht. Nun verkauft er aus einem Containerstand nahe „Peek und Cloppenburg“ Hähnchen, Pommes, Döner, Bratwurst und Salat. Statt Bayer ist sein Vermieter nun ECE. „Der Standort ist sehr gut. Viele Schaulustige, aber auch viele Stammkunden waren bereits da“, resümiert Calhan nach den ersten Tagen. Er hofft nun, dass sich die Wiedereröffnung schnell rundspricht.
Die Konkurrenz naht
Die Konkurrenz riecht am Bauzaun nicht nur den Hähnchenduft, sondern auch das Geschäft. Demnächst wird die Fritten-Hähnchen-Braterei-Kombination einen Mitbewerber um die Bauzaun-Kundschaft bekommen. An der Baustelle soll noch eine zweite Imbissbude in einem Container in Höhe des Jeans-Shops aufgebaut werden. Inhaber wird der Wirt des Westminster Pub sein, sagte eine Stadtsprecherin auf RP-Anfrage.
100 Kilo Fritten am Tag
Schließlich dauerte die Auszeit längst als erwartet. Ende Dezember 2007 schloss er seinen Imbiss am Bayer-Kaufhaus, am 3. Januar startete der Aufbau des neuen Verkaufstands. Dies verzögerte sich allerdings immer mehr. Aus drei Wochen wurden drei Monate. „Jetzt bin ich einfach erleichtert, dass es weitergeht. Die letzte Zeit war sehr stressig“, sagt Calhan, der auf steigende Umsätze hofft. Verkaufte er an altem Standort bis zu 100 Hähnchen pro Tag, sollen es nun zwischen 100 und 150 werden. Auch 50 bis 60 Kilogramm Dönerfleisch und mehr als 100 Kilogramm Fritten sollen täglich über die Theke gehen. Dazu hat der 30-Jährige neues Personal eingestellt. Statt bislang einen Mitarbeiter sind es nun sechs (drei feste, drei Aushilfen).
Die geschäftlichen Aussichten sind also ähnlich golden wie die Pommes? Nicht ganz. Calhan hat gehört, dass im Bereich der Baustelle bald ein weiterer Imbiss eröffnen soll. Das wäre schlecht fürs Geschäft und damit für die neu eingestellten Beschäftigten. „Warum hat man die Fläche nicht dem ehemaligen Blumenhändler angeboten?“, fragt Calhan. „Der hat keine Fläche gefunden und wird von vielen Kunden vermisst.“
Und dann in die Rathaus-Galerie
Zwei Jahre wird „Meister Chicken“ in dem Container bleiben, der in den Bauzaun eingearbeitet wurde. So lange, erwartet Calhan, werden sich die Umsätze nach Baufortschritt und dem entsprechenden Aufkommen an Schaulustigen richten. Dann zieht der 30-Jährige wieder um: in die Rathaus-Galerie.
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