Leverkusen: Buchhorn will Lose für Bahnstadt
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010Leverkusen (RPO). Zum Anlass seiner ersten 100 Tage Amtszeit hat Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn am Dienstag Bilanz gezogen. Dabei machte der Verwaltungschef einige überraschende Ankündigungen. Sein Traum: eine Bahnstadt-Lotterie.
Exakt 100 Minuten benötigte Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn gestern für seine Bilanz, die er im Pressegespräch zog: 100 Minuten für 100 Tage Amtszeit: Auch wenn es so aussah, als habe der Verwaltungschef diese Übereinstimmung bewusst herbeigeführt – es war nur ein Zufall.
"Endlich mal einer, der Buchhorn nicht in die Quere, sondern zugute kommt", möchte man rufen. Denn was "der Neue" auf dem Chefsessel im Leverkusener Rathaus in den ersten Monaten seiner Amtszeit alles an unvorhergesehenen "Überraschungen" meistern musste, hätte manch anderem die Freude an dem Job bereits gründlich vermiest.
Haushaltsverfügung des Kölner Regierungspräsidenten zur Neuen Bahnstadt, drohende Zwangsverwaltung, Rossmann-Weggang im Streit mit Currenta – kein Wunder, dass Buchhorn seine Rolle in den ersten Monate seiner Amtszeit vor allem als "Feuerwehrmann" definieren musste. Man möchte hinzufügen: einer, der Brände löschen musste, die andere gelegt hatten.
Kneifen gilt nicht
Doch "Kneifen" ist ein Wort, das Reinhard Buchhorn aus seinem Vokabular gestrichen hat, falls es sich überhaupt je dort fand. "Am Ball bleiben", ist das Motto des 63-Jährigen, der in Dänemark geboren wurde und lange Zeit in Bremen lebte , bevor er 1978 zur Stadt Leverkusen kam und dort alle erdenklichen Stationen durchlief – vom Hauptamt über Baudezernat und Sozialamt bis hin zur Arbeitsgemeinschaft Leverkusen, die er von 2004 an leitete.
"Ich kenne die Stadtverwaltung und ihre Mitarbeiter auswendig", sagt Buchhorn. "Und ich will alle mitnehmen, wenn ich versuche, Lösungen für die drängenden Probleme unserer Stadt zu finden." Dazu geht der Verwaltungschef auch unkonventionelle Wege:
Hauhaltskonsolidierung Pflichtaufgaben, wie sie Bund und Land etwa mit der U 3-Betreuung auf die Stadt abwälzen, sollen nicht in vollem Umfang erfüllt werden. In interkommunalen Aktionsbündnissen setzt sich der Oberbürgermeister gegen die Überforderung der Städte zur Wehr. Gleichzeitig sollen Politik und Verwaltung Prioritäten ausarbeiten, welche Projekte verschoben werden können, um zu sparen und so die Zwangsverwaltung aus Köln zu vermeiden. Der Bau des Jugendhauses Rheindorf soll aber nicht darunter leiden.
Wirtschaftsförderung Die Wirtschaftsförderung Leverkusen soll einen hauptamtlichen Geschäftsführer erhalten. Bisher führt Baudezernent Wolfgang Mues die Geschäfte. Doch Buchhorn will neue Firmen mit innovativen Werkstoffen und Umwelttechnik nach Leverkusen holen, um die Steuereinnahmen zu erhöhen – "das ist quantitativ nur mit hauptamtlicher Leitung zu schaffen". Schon eingestellt: eine Mitarbeiterin, die sich um Bestandspflege kümmert.
Aktive Stadtentwicklung Buchhorn will gerade vor dem Hintergrund des ECE-Starts das Forum "Werkstatt Wiesdorf" wieder aufleben lassen, wenn auch in konzentrierterer Form. Zur Stärkung der Geschäftswelt in der gesamten City , "werden wir auch beim Thema Genehmigungen sehr weit gehen, wenn sie etwas bringen". In Sachen Bahnstadt steht noch vor April ein Gesprächstermin bei Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an. Buchhorn will von diesem Termin "etwas mitbringen" – am besten die 90-Prozent-Förderung durch das Land. Doch auch bei diesem Thema prüft der Verwaltungschef unkonventionelle Wege: vor allem die Einführung einer Lotterie nach dem Vorbild der Kölner Dombaulotterie: "Das wäre mein Traum."
Jugend/Familie/Bildung Eine Arbeitsgruppe verfolgt gezielt, welche Jugendlichen Probleme haben, auf dem Arbeitsmarkt zu landen beziehungsweise wer dies gar nicht erst versucht. Die werden gezielt angesprochen und gefördert. Bis zu zwei Jahre nach Ende der Schulzeit. Auch Jugend-Treffpunkte wie den Skaterpark will die Stadt fördern.
Integration Sprachförderung ist für Buchhorn das A und O. Denn nur dann klappt Integration. Die ist für den OB aber keine Einbahnstraße: "Auch wir können von den Migranten viel lernen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






